Tee in der Schwangerschaft: Was du wissen solltest

Inhalt dieses Beitrags
In der Schwangerschaft darfst du Tee trinken, solange du die Sorten wechselst und mit den Mengen maßvoll bleibst. Für Kamillenblüten als Tee nennt die EMA keine Einschränkung (für andere Kamille-Zubereitungen wie Extrakte rät sie mangels Daten ab), für Hagebutte und Rooibos sind uns keine behördlichen Warnungen bekannt, belastbare Studien an Schwangeren fehlen aber auch hier. Bei Fenchel, Süßholz, Salbei, Johanniskraut und vielen anderen Heilkräutern wird vorsorglich abgeraten. Bei Unsicherheit frag deine Hebamme, Frauenärztin oder Frauenarzt.
Viel Flüssigkeit ist in der Schwangerschaft wichtig, und Tee kann Wasser abwechslungsreicher machen. Dieser Beitrag nennt, was Behörden und Fachstellen zu einzelnen Tees sagen, wie sie schmecken und welche du besser meidest. Die Datenlage ist bei fast allen Kräutern dünn.
Vorsicht bei der Wahl der Teesorte in der Schwangerschaft
Nicht jede Sorte ist in der Schwangerschaft geeignet. Bei vielen Heilkräutern fehlen Untersuchungen an Schwangeren. Die Arzneimittelbehörde EMA schreibt deshalb in ihren Monografien für zahlreiche Pflanzen, dass die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit „mangels ausreichender Daten“ nicht empfohlen wird. Das betrifft die Anwendung als Arzneimittel, ist für dich als Orientierung aber ein guter Hinweis auf die Datenlage. Beim Einkauf zählt zudem die Qualität: Kräutertees können natürlich vorkommende Pflanzenstoffe wie Pyrrolizidinalkaloide enthalten.
Wichtig: Alles in Maßen
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt Schwangeren und Stillenden als Vorsichtsmaßnahme, Kräutertees und Tee abwechselnd mit anderen Getränken zu konsumieren. Die Verbraucherzentrale Hamburg rät zusätzlich, regelmäßig zwischen Teesorten und Herstellern zu wechseln. Hintergrund sind Pyrrolizidinalkaloide: Bei häufigem Verzehr großer Mengen hoch belasteter Tees sieht das BfR ein Risiko, besonders für Kinder, Schwangere und Stillende. Eine feste Tassenzahl nennt das BfR nicht. Trinke daneben vor allem Wasser.
Sorten mit begrenzter Datenlage
Bei Hagebutte, Rooibos und Kamille (als Tee) nennen die Quellen keine bekannten Bedenken, die Datenlage ist aber begrenzt. Bei Pfefferminze, Melisse, Lavendel und Ingwer rät die EMA ab oder empfiehlt Zurückhaltung. Das hier ist keine Empfehlung und keine Garantie. Bei Beschwerden oder Vorerkrankungen sprich vorab mit deiner Praxis.
Hagebuttentee
Der Hagebuttentee wird aus den Früchten der Hagebutte hergestellt und schmeckt fruchtig-säuerlich. Er ist koffeinfrei. Studien an Schwangeren gibt es dazu nicht. Zubereitung nach Packungsangabe.

Pfefferminztee
Pfefferminztee schmeckt frisch und kühl. Die EMA hält fest, dass die Sicherheit von Pfefferminzblättern in Schwangerschaft und Stillzeit nicht belegt ist und die Anwendung mangels Daten nicht empfohlen wird. Das gilt für die Anwendung als Arzneimittel. Wenn du Pfefferminztee trinkst, dann gelegentlich und in kleiner Menge, und sprich mit deiner Praxis. Bei Sodbrennen rät die EMA grundsätzlich von Pfefferminzblättern ab, weil sich das Sodbrennen verstärken kann.
Melissentee
Melissentee schmeckt mild zitronig. Die EMA schreibt in ihrer Monografie, dass die Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit nicht belegt ist und die Anwendung mangels Daten nicht empfohlen wird. Trinke ihn deshalb höchstens gelegentlich und frag bei häufigem Gebrauch deine Praxis.
Rooibostee
Rooibos ist koffeinfrei und schmeckt mild und leicht süßlich. Behördliche Warnungen für die Schwangerschaft sind uns nicht bekannt, Studien an Schwangeren fehlen aber. Zubereitung nach Packungsangabe.
Kamillentee
Kamillentee schmeckt mild, blumig und leicht süßlich. Für die zerkleinerten Blüten als Tee nennt die EMA in ihrer Monografie keine Einschränkung für Schwangerschaft und Stillzeit; für andere Zubereitungen (z. B. Extrakte) schreibt sie, dass die Anwendung mangels ausreichender Daten nicht empfohlen wird. Auch hier gilt: in Maßen und im Wechsel mit anderen Getränken. Bei einer Allergie gegen Korbblütler (Asteraceae) ist Kamille nicht geeignet. Als Orientierung nennt die EMA für Erwachsene 1,5 bis 4 g Droge auf 150 ml kochendes Wasser, drei- bis viermal täglich. Bei Schwangeren fehlt eine eigene Mengenempfehlung, bleibe also eher darunter.
Lavendeltee
Lavendeltee duftet blumig und intensiv. Die EMA hält fest, dass die Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit nicht belegt ist, und rät mangels Daten von der Anwendung ab. Wenn du ihn trotzdem trinken möchtest, dann selten und in kleiner Menge, und frag vorher deine Hebamme oder Ärztin.

Ingwertee
Ingwertee schmeckt scharf und wärmend. Die EMA empfiehlt vorsorglich, die Anwendung in der Schwangerschaft zu vermeiden, auch wenn die vorliegenden Daten aus mehreren hundert Schwangerschaften keine Hinweise auf Fehlbildungen zeigen. Für die Stillzeit rät sie mangels Daten ab. Embryotox bewertet Ingwerpräparate in üblicher Dosierung dagegen als vertretbar. Wir folgen der vorsichtigeren Linie: Wenn du Ingwertee trotzdem trinken möchtest, dann nur nach Rücksprache mit Hebamme oder Ärztin.
Schwarzer Tee
Schwarzer Tee enthält Koffein (auch Teein genannt), das gleiche Molekül. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht bei Koffeinaufnahmen aus allen Quellen bis 200 mg pro Tag, über den Tag verteilt, keine Sicherheitsbedenken für das ungeborene Kind. Das BfR nennt für eine Tasse (200 ml) Schwarztee 45 mg Koffein. Rechnerisch wären das bei reinem Schwarztee etwa vier Tassen, ohne dass du anderswo Koffein aufnimmst. Gerbstoffe können die Aufnahme von Eisen aus pflanzlicher Nahrung beeinflussen. Trinke ihn daher nicht zu eisenreichen Mahlzeiten.

Grüner Tee
Grüner Tee enthält ebenfalls Koffein, meist etwas weniger als Schwarztee. Das BfR nennt für eine Tasse (200 ml) Grüntee 30 mg. Rechne ihn in dein Tageslimit von 200 mg Koffein pro Tag ein. Auch hier gilt der Hinweis zu Gerbstoffen und Eisen. Zubereitung nach Packungsangabe.
Sorten für die letzten Schwangerschaftswochen
Einige Tees werden in Hebammenkreisen erst gegen Ende der Schwangerschaft getrunken. Belastbare Belege dafür gibt es meist nicht. Besprich solche Tees immer mit deiner Hebamme.
Himbeerblättertee
Himbeerblättertee schmeckt mild-herb und erinnert an schwarzen Tee. In der Hebammenpraxis ist es verbreitet, ihn erst gegen Ende der Schwangerschaft zu trinken. Das ist Erfahrungswissen, keine Empfehlung. Sprich Zeitpunkt und Menge mit deiner Hebamme ab, besonders bei vorzeitigen Wehen, Blutungen oder Schwangerschaftsdiabetes. Es sind außerdem Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich.
Brombeerblättertee
Brombeerblättertee schmeckt mild und leicht herb. Für die Schwangerschaft haben wir keine belastbaren Daten gefunden, deshalb ist Zurückhaltung sinnvoll. Besprich ihn mit deiner Hebamme.
Eisenkraut Tee
Für Eisenkraut haben wir keine belastbaren Daten zur Verträglichkeit in der Schwangerschaft gefunden. Trinke ihn deshalb nicht ohne Rücksprache.
Frauenmanteltee
Beim Frauenmantel haben wir keine verlässlichen Daten zur Anwendung in der Schwangerschaft gefunden. Aus Vorsicht trinkst du ihn nur nach Rücksprache mit Hebamme oder Ärztin.
Kreuzkümmeltee
Kreuzkümmel wird als Gewürz in üblichen Mengen gegessen. Zu Teemengen oder Kapseln haben wir keine Daten gefunden, deshalb gilt Zurückhaltung.
Wermuttee
Die EMA rät in ihrer Monografie von Wermutkraut in Schwangerschaft und Stillzeit ab, weil nur wenige oder keine Daten vorliegen. Wermuttee solltest du meiden.
Schafgarbetee
Schafgarbe ist ein Wildkraut mit herbem Aroma. Die EMA hält fest, dass die Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit nicht belegt ist, und rät mangels Daten von der Anwendung ab. Meide sie deshalb.
Verbotene Sorten in der Schwangerschaft
„Verboten“ ist hier nicht im rechtlichen Sinn gemeint. Gemeint sind Tees, von denen Behörden oder Fachleute abraten oder bei denen die Datenlage für eine sichere Empfehlung nicht reicht.
Süßholzwurzel Tee
Auf Süßholzwurzel Tee solltest du in der Schwangerschaft verzichten. Er enthält Glycyrrhizin (Glycyrrhizinsäure). Das bayerische Landesamt LGL sieht große Mengen davon in der Schwangerschaft kritisch und nennt den Verdacht auf ein geringeres Geburtsgewicht und Frühgeburten. Das BfR hält die Daten einer finnischen Studie allerdings nicht für ausreichend, um einen ursächlichen Zusammenhang zu belegen. Es rät Schwangeren dennoch, auf den ständigen Verzehr größerer Mengen Lakritz zu verzichten. Die EMA rät wegen begrenzter Daten und Tierstudien mit Hinweisen auf Reproduktionstoxizität von der Anwendung in der Schwangerschaft ab. Als Vorsichtsmaßnahme meidest du Süßholz deshalb. Prüfe auch Teemischungen, denn Süßholz kann in Mischungen stecken.
Fencheltee
Fenchel enthält Estragol, einen Stoff, der als erbgutverändernd eingestuft wird. Laut Verbraucherzentrale lässt sich eine sichere Aufnahmemenge derzeit nicht festlegen. Sie rät Schwangeren und Stillenden deshalb, auf fenchelhaltige Produkte möglichst zu verzichten, weil Estragol an das ungeborene Kind oder über die Muttermilch weitergegeben werden könnte. Die EMA schreibt in ihrer Fenchel-Monografie, dass die Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit nicht belegt ist, und rät mangels Daten von der Anwendung ab. Estragol kommt auch in Anis vor, auch für Anis rät die EMA in der Schwangerschaft ab. Mehr zum Tee im Beitrag zum Fencheltee.

Ginseng Tee
Für Ginseng fehlen laut EMA ausreichende Daten zur Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit, die Anwendung wird deshalb nicht empfohlen.
Rosmarin Tee
Rosmarin ist als Gewürz in Küchenmengen unproblematisch. Rosmarin Tee in größeren Mengen wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen. Die EMA rät in ihrer Monografie mangels Daten zur Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit von der Anwendung ab.
Johanniskrauttee
Für Johanniskraut ist die Sicherheit in der Schwangerschaft laut EMA nicht belegt, Tierstudien zeigten Hinweise auf Reproduktionstoxizität. Die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit wird nicht empfohlen. Außerdem verändert Johanniskraut den Abbau vieler Medikamente und kann die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel mindern. Meide es in der Schwangerschaft.
Passionsblumentee
Passionsblume ist nur für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren gedacht. Für Schwangerschaft und Stillzeit ist die Sicherheit nicht belegt, die EMA rät mangels Daten von der Anwendung ab. Meide ihn deshalb vorsorglich.
Salbeitee
Salbeitee wird in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen. Die EMA schreibt in ihrer Monografie, dass die Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit nicht belegt ist, und rät mangels Daten von der Anwendung ab.
Fazit
Für Kamille als Tee nennt die EMA keine Einschränkung, bei Früchtetees, Rooibos und Hagebutte sind uns keine behördlichen Warnungen bekannt. Bei Pfefferminze, Melisse, Lavendel und Ingwer rät die EMA ab oder empfiehlt Zurückhaltung; sprich darüber mit deiner Hebamme oder Ärztin. Wechsle die Sorten, trinke daneben viel Wasser und halte die Koffeinmenge von höchstens 200 mg pro Tag im Blick. Meide Fenchel, Süßholz, Salbei, Johanniskraut und andere Kräuter, von denen Behörden abraten. Bei Unsicherheit, vorzeitigen Wehen, Blutungen oder Medikamenteneinnahme sprichst du mit deiner Hebamme oder Ärztin.
Häufige Fragen
Zu welchen Tees nennen Behörden keine Bedenken?
Für Kamille als Tee nennt die EMA keine Einschränkung, bei Früchtetees, Hagebutte und Rooibos sind uns keine Warnungen bekannt. Bei Pfefferminz-, Melissen-, Lavendel- und Ingwertee rät die EMA ab oder empfiehlt Zurückhaltung. Wechsle die Sorten und trinke nicht nur Tee.
Darf ich in der Schwangerschaft Fencheltee trinken?
Davon rät die Verbraucherzentrale Schwangeren und Stillenden möglichst ab, wegen des Inhaltsstoffs Estragol. Auch die EMA rät von Fenchel-Arzneimitteln in der Schwangerschaft ab.
Was ist über Hagebuttentee in der Schwangerschaft bekannt?
Hagebuttentee ist koffeinfrei, behördliche Warnungen sind uns nicht bekannt. Studien an Schwangeren fehlen allerdings.
Wie viel Tee darf ich in der Schwangerschaft trinken?
Für Kräutertee nennt das BfR keine feste Tassenzahl, aber den Rat, Tee abwechselnd mit anderen Getränken zu trinken. Schwarzer und grüner Tee zählen zur Koffeinmenge von höchstens 200 mg am Tag (laut BfR 45 mg pro Tasse Schwarztee, 30 mg pro Tasse Grüntee, je 200 ml).
Quellen
- Verbraucherzentrale: Fencheltee, gesund oder gefährlich?
- Verbraucherzentrale Hamburg: Pyrrolizidinalkaloide in Tee und Honig
- BfR: Pyrrolizidinalkaloide in Kräutertees und Tees (Stellungnahme 018/2013)
- BfR: Fragen und Antworten zu Koffein
- EFSA: Koffein
- LGL Bayern: Süßholzpflanze (Glycyrrhiza glabra)
- BfR: Beeinträchtigt der Lakritzverzehr von Schwangeren die Entwicklung von Kindern? (Mitteilung 010/2023)
- EMA/HMPC: Kamillenblüten
- EMA/HMPC: Pfefferminzblätter
- EMA/HMPC: Melissenblätter
- EMA/HMPC: Lavendelblüten
- EMA/HMPC: Ingwerwurzelstock
- EMA/HMPC: Passionsblumenkraut
- EMA/HMPC: Fenchelfrüchte (Monografie)
- EMA/HMPC: Anisfrüchte
- EMA/HMPC: Salbeiblätter
- EMA/HMPC: Süßholzwurzel
- EMA/HMPC: Johanniskraut
- EMA/HMPC: Ginsengwurzel
- EMA/HMPC: Rosmarinblätter
- EMA/HMPC: Wermutkraut
- EMA/HMPC: Schafgarbenkraut