Tee und Übelkeit: Das solltest du wissen

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Tee ist kein Mittel gegen Übelkeit und ersetzt keine ärztliche Abklärung. Ein lauwarmer Kräutertee in kleinen Schlucken kann aber ein ruhiges Ritual sein, wenn dir der Magen nicht gut ist. Hier bekommst du einen ehrlichen Überblick über gängige Kräutertees mit Geschmack, Zubereitung und Sicherheitshinweisen. Bei starkem oder anhaltendem Erbrechen gehört die Ursache ärztlich abgeklärt.
Dieser Beitrag ersetzt keine Diagnose. Wichtig ist vor allem, dass du genug trinkst und auf Warnzeichen achtest.
Wie entsteht Übelkeit?
Übelkeit ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Sie entsteht, wenn das Brechzentrum im Gehirn gereizt wird. Der Reiz kann von den Verdauungsorganen, vom Gleichgewichtsorgan oder von der Psyche kommen. Häufige Auslöser sind:
- Magen-Darm-Infekte und verdorbene Speisen,
- ein Reizmagen oder üppiges, fettes Essen,
- Stress und Aufregung,
- Reisekrankheit,
- Migräne,
- Schwangerschaft,
- Medikamente, Alkohol oder zu viel Koffein.
Übelkeit kann auch Zeichen ernster Erkrankungen sein, etwa bei Kopfverletzungen, starken Bauchschmerzen oder Beschwerden im Brustbereich. In diesen Fällen zählt nicht der Tee, sondern die sofortige ärztliche Abklärung.
Wann du zum Arzt solltest
- wenn du Flüssigkeit nicht mehr bei dir behalten kannst oder Anzeichen von Austrocknung zeigst. Dazu zählen eingefallene Augen oder Wangen, schnelle Atmung oder schneller Herzschlag, starker Durst, dunkler Urin, trockene Schleimhäute und Schwindel oder Kreislaufprobleme,
- bei Fieber, Blut im Erbrochenen oder Stuhl oder sehr starken Bauchschmerzen,
- wenn die Beschwerden, vor allem bei Durchfall, nach etwa 48 Stunden nicht besser werden,
- nach einer Kopfverletzung oder bei Brustschmerzen,
- bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem, denn sie trocknen schneller aus,
- in der Schwangerschaft bei häufigem und heftigem Erbrechen. Etwa 1 von 100 Schwangeren entwickelt eine schwere Form (Hyperemesis gravidarum), die meist im Krankenhaus behandelt wird.
Bei Magen-Darm-Infekten steht laut gesundheitsinformation.de der Ausgleich von Flüssigkeit und Salzen im Vordergrund. Bei Kindern und älteren Menschen sind Elektrolytlösungen aus der Apotheke ein Thema für die ärztliche Beratung.
Tee und Übelkeit: Diese Sorten sind gängig
Trinke den Tee lauwarm bis warm, in kleinen Schlucken, und nicht in großen Mengen auf einmal. Stark riechende, heiße Getränke empfinden manche bei Übelkeit als unangenehm. Die Mengenangaben unten stammen, wo vorhanden, aus den Unterlagen der EMA, gelten für Erwachsene und sind Zubereitungsvorschläge für den Geschmack, keine Dosierungsempfehlungen.
Ingwertee
Ingwertee schmeckt würzig und scharf. Du übergießt einige dünne Scheiben frischen Ingwer mit heißem Wasser und lässt sie mehrere Minuten ziehen. Für Tee gibt es keine Mengenangabe der EMA. Ingwer kann Sodbrennen auslösen. Die EMA empfiehlt Ingwer-Arzneimittel nicht für Kinder unter 6 Jahren bei Reisekrankheit und für andere Anwendungen nicht unter 18 Jahren.
In der Schwangerschaft kommt es auf die Form an, und die Quellen betrachten Unterschiedliches:
- Embryotox (Charité) sieht nach Studien mit rund 1.000 Schwangeren keinen Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko und hält Ingwer in allen Phasen der Schwangerschaft in üblicher Dosierung für vertretbar, in der Stillzeit für akzeptabel.
- Die EMA bewertet Ingwer als Arzneimittel (Pulver, Tinktur). Die Datenlage zu Fehlbildungen ist laut Monografie beruhigend, trotzdem wird als Vorsichtsmaßnahme empfohlen, die Anwendung in der Schwangerschaft zu vermeiden; in der Stillzeit wird sie nicht empfohlen. In der Patienteninformation stehen Schwangerschaft und Stillzeit unter „nicht anwenden“.
- Die norwegische Lebensmittelbehörde rät Schwangeren von Ingwer-Shots und ingwerhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln ab. Ingwer als Gewürz beim Kochen sieht sie als unproblematisch.
Die Aussagen widersprechen sich also nicht grundsätzlich, sie betreffen unterschiedliche Formen und Mengen. Zu Ingwertee gibt es keine eigene Bewertung. Im Zweifel gilt der vorsichtigere Weg, also keine Arzneimittel, Shots oder größeren Mengen ohne Rücksprache. Sprich vor regelmäßigem Ingwertee oder Ingwerpräparaten mit deiner Hebamme oder Ärztin. Übelkeit in der Schwangerschaft gehört in ärztliche Betreuung.
Pfefferminztee
Pfefferminztee schmeckt frisch und mentholartig. Für Erwachsene nennt die EMA als Zubereitungsvorschlag 1,5 bis 3 g Blätter auf 100 bis 150 ml kochendes Wasser, für Kinder von 4 bis 11 Jahren 1 bis 2 g. Die Ziehzeit richtet sich nach der Packungsangabe, üblich sind einige Minuten zugedeckt. Wenn Beschwerden länger als 2 Wochen anhalten, gehört das ärztlich abgeklärt. Bei Sodbrennen oder Reflux kann Pfefferminze Beschwerden verstärken, dann wähle lieber einen milderen Tee wie Kamille. Bei Gallensteinen ist Vorsicht geboten. In Schwangerschaft und Stillzeit wird Pfefferminztee wegen fehlender Sicherheitsdaten nicht empfohlen, für Kinder unter 4 Jahren ebenfalls nicht.
Kamillentee
Kamillentee schmeckt mild, blumig und leicht herb. Für Jugendliche und Erwachsene nennt die EMA als Zubereitungsvorschlag 1,5 bis 4 g Blüten auf 150 ml kochendes Wasser. Für Kinder gibt es beim Aufguss abgestufte Mengen ab 6 Monaten (unter 6 Monaten ist die Anwendung laut EMA nicht belegt), sprich das mit der Kinderarztpraxis ab. Halten Beschwerden länger als eine Woche an, such ärztlichen Rat. Für den Aufguss nennt die EMA keine Einschränkung in Schwangerschaft und Stillzeit. Nicht geeignet bei Allergie gegen Korbblütler.
Melissentee
Melissentee schmeckt zitronig-frisch und mild. Die EMA nennt für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren als Zubereitungsvorschlag 1,5 bis 4,5 g Blätter auf 150 ml kochendes Wasser. Halten Beschwerden länger als 2 Wochen an, such ärztlichen Rat. In Schwangerschaft und Stillzeit wird Melissentee nicht empfohlen, außerdem kann er die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.
Fencheltee

Fencheltee schmeckt süßlich und leicht nach Anis. Er enthält Estragol. Die Verbraucherzentrale rät gesunden Erwachsenen, ihn nur gelegentlich und nicht täglich über längere Zeit zu trinken, höchstens 14 Tage am Stück. Kinder unter 4 Jahren sowie Schwangere und Stillende sollten ihn meiden. Eine abschließende Bewertung von Estragol durch EFSA und BfR steht noch aus, eine sichere Aufnahmemenge lässt sich bisher nicht festlegen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt ganze Früchte statt gemahlenem Material, den Teebeutel nicht auszupressen und den Tee nur 5 bis 8 Minuten ziehen zu lassen. Sinnvoll ist es, ihn mit anderen Kräutertees abzuwechseln.
Welche Tees hier nicht passen
Basilikum-, Himbeerblätter-, Lavendel-, Ringelblumen- und Süßholztee führen wir nicht mehr in dieser Übersicht auf. Koffeinhaltige Tees vertragen manche Menschen bei empfindlichem Magen schlecht.
Fazit
Bei leichtem Unwohlsein kannst du Ingwer, Pfefferminze, Kamille oder Melisse nach Geschmack probieren und vor allem genug trinken. Bei Warnzeichen, anhaltendem Erbrechen oder in besonderen Lebenslagen wie Schwangerschaft und Kindesalter solltest du ärztlichen Rat einholen. Weitere Beiträge: Tee und Magen-Darm und Tee und Magenschmerzen.
Häufige Fragen
Ersetzt Tee die ärztliche Abklärung bei Übelkeit?
Nein. Tee ist ein Getränk und ein ruhiges Ritual. Bei starker, anhaltender Übelkeit oder Erbrechen gehört die Ursache in ärztliche Hände.
Worauf achte ich beim Trinken bei Übelkeit?
Wichtig ist, dass du in kleinen Schlucken trinkst und Flüssigkeit bei dir behältst. Kannst du nichts mehr bei dir behalten, zeigst du Zeichen von Austrocknung oder halten die Beschwerden länger als etwa 48 Stunden an, such ärztliche Hilfe.
Darf ich in der Schwangerschaft Ingwertee trinken?
Besprich das mit Hebamme oder Ärztin. Die Einschätzungen der Quellen unterscheiden sich je nach Form. Pfefferminze, Melisse und Lavendel werden von der EMA in der Schwangerschaft wegen fehlender Daten nicht empfohlen. Bei häufigem, heftigem Erbrechen (Hyperemesis) gehört in ärztliche Betreuung, meist im Krankenhaus.
Kann ich Kindern Tee geben, wenn ihnen übel ist?
Bei Säuglingen und Kleinkindern solltest du bei Erbrechen und Durchfall früh die Kinderarztpraxis kontaktieren. Fencheltee ist für Kinder unter 4 Jahren nicht empfohlen.
Quellen
- EMA: EU-Monografie Zingiber officinale, rhizoma (Revision 1)
- Embryotox: Ingwer in Schwangerschaft und Stillzeit
- Mattilsynet (Norwegen): Gravide bør unngå ingefærshots og kosttilskudd med ingefær
- gesundheitsinformation.de: Durchfall
- EMA: Menthae piperitae folium (Pfefferminzblätter)
- EMA: Matricariae flos (Kamillenblüten)
- EMA: Melissae folium (Melissenblätter)
- Verbraucherzentrale: Fencheltee, gesund oder gefährlich?
Titelbildquelle: Foto von Andrea Piacquadio von Pexels