Tee und Kopfschmerzen: Ein ehrlicher Überblick

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Tee ist kein Mittel gegen Kopfschmerzen und kann ärztlichen Rat nicht ersetzen. Eine Tasse warmer Kräutertee, ausreichend Flüssigkeit und eine kurze Pause können aber ein schönes Ritual im Alltag sein. Hier bekommst du einen ehrlichen Überblick über neun Teesorten mit Geschmack, Zubereitung und Hinweisen zur Sicherheit. Bei Kopfschmerzen, die plötzlich und heftig auftreten, immer wiederkehren oder von Fieber, Lähmungen oder Sehstörungen begleitet werden, gehörst du in ärztliche Abklärung.
Eine kurze Nacht, ein langer Tag im Büro, und der Kopf pocht. Kopfschmerzen kennt fast jeder. Welche Tees du dir gönnen kannst, wie sie schmecken und wann Vorsicht geboten ist, liest du hier.
Echter Tee und Koffein
Echter Tee stammt von der Teepflanze (Camellia sinensis). Dazu zählen Grüntee, Schwarztee, Pu-Erh-Tee und Oolong Tee. Alle enthalten Koffein.
Koffein spielt bei Kopfschmerzen eine eigene Rolle. Wer sonst täglich viel Kaffee trinkt und plötzlich darauf verzichtet, kann durch den Koffeinentzug Kopfschmerzen bekommen. Die internationale Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3) führt den Koffeinentzugskopfschmerz als eigene Diagnose, er beginnt innerhalb von 24 Stunden nach dem Absetzen oder starken Reduzieren. Koffein steckt außerdem in manchen Kombinationspräparaten. Welche Mittel für dich infrage kommen, klärst du mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke.
Die Tees in diesem Beitrag sind Kräutertees ohne Koffein. Einige davon sind nicht für jeden geeignet, etwa in der Schwangerschaft, bei Allergien oder bei Medikamenten, die die Blutgerinnung beeinflussen. Die jeweiligen Einschränkungen stehen direkt beim Tee. Wenn du Bedenken hast oder Medikamente einnimmst, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
9 Teesorten im Überblick
Kopfschmerzen haben viele Ursachen, und kein Tee ersetzt die ärztliche Abklärung. Ausreichend Flüssigkeit, am besten Wasser und ungesüßter Tee, gehört zu einem ausgeglichenen Alltag dazu. Die folgenden Tees stellen wir dir mit Geschmack, Zubereitung und Hinweisen vor. Es sind keine Empfehlungen für eine bestimmte Beschwerde. Die Mengenangaben stammen, wo vorhanden, aus den Unterlagen der europäischen Arzneimittelbehörde EMA, gelten für Erwachsene und sind Zubereitungsvorschläge für den Geschmack, keine Dosierungsempfehlungen.
1. Ingwertee

Ingwertee bereitest du mit frisch geschnittenen, hauchdünnen Scheiben aus der Knolle oder mit Ingwerpulver zu. Als Zubereitungsvorschlag: 2 bis 3 Scheiben mit heißem Wasser übergießen und etwa 10 Minuten ziehen lassen. Eine zu lange Ziehzeit macht den Tee scharf, aber das ist nur meine persönliche Meinung.
Ingwertee schmeckt würzig und scharf und wird heiß getrunken. Viele empfinden das Aroma als wärmend und angenehm. Aussagen zu Kopfschmerzen oder Migräne machen wir dazu nicht. Wenn du Blutverdünner einnimmst, frage vor regelmäßigem Genuss größerer Mengen in der Apotheke oder bei deiner Ärztin nach. In deutschen Produktinformationen für Ingwer-Arzneimittel steht ein entsprechender Warnhinweis. Bei Sodbrennen kann die Schärfe unangenehm sein.
2. Pfefferminztee

Pfefferminztee findest du in fast jedem Haushalt. Er schmeckt frisch, kühl und leicht mentholartig und ist eine angenehme Pause für zwischendurch. Als Zubereitungsvorschlag nennt die EMA für Erwachsene 1,5 bis 3 g Pfefferminzblätter auf 100 bis 150 ml kochendes Wasser. Die Ziehzeit richtet sich nach der Packungsangabe, üblich sind einige Minuten zugedeckt, damit das Aroma nicht verfliegt.
Wichtig: Pfefferminzöl, wie es in Cremes oder Fläschchen verkauft wird, ist nur zur äußerlichen Anwendung gedacht und gehört nicht in die Tasse. Für Kinder unter 4 Jahren wird Pfefferminztee von der EMA nicht empfohlen, bei älteren Kindern frage vor jeder Anwendung in der Apotheke nach.
Pfefferminztee ist nicht für jeden geeignet: Bei Sodbrennen oder Reflux kann er Beschwerden verstärken, bei Gallensteinen ist Vorsicht geboten, und in Schwangerschaft und Stillzeit empfiehlt die EMA ihn wegen fehlender Sicherheitsdaten nicht.
3. Kamillentee

Eine Tasse Kamillentee schmeckt mild, blumig und leicht herb. Viele verbinden sie mit Wärme, Ruhe und Kindheitserinnerungen. Das ist vor allem eine Frage des Rituals. Als Zubereitungsvorschlag nennt die EMA für Erwachsene 1,5 bis 4 g Blüten auf 150 ml kochendes Wasser. Du lässt den Tee zugedeckt einige Minuten ziehen. Viele nutzen ihn als Teil einer Abendroutine, um den Tag abzuschließen. Bei Allergie gegen Korbblütler darfst du ihn nicht trinken.
4. Nelkentee

Gewürznelken sind getrocknete Blütenknospen des Gewürznelkenbaums. Sie duften intensiv, schmecken würzig-scharf und kommen vor allem in der Weihnachtsküche und in Chai-Mischungen vor. Sie enthalten das ätherische Öl Eugenol, das für das typische Aroma mitverantwortlich ist. Eine Dosierung für Tee gibt es nicht. Wenn du es probieren möchtest, nimm nur wenige Nelken als Gewürz, wie du sie beim Kochen verwenden würdest, und übergieße sie mit heißem Wasser. Nelkenöl ist ein anderes Produkt: Schwere Leberschäden sind in der Fachliteratur nach dem Verschlucken von Nelkenöl beschrieben (Milliliter-Mengen, auch bei Kleinkindern). Es gehört deshalb nicht in die Tasse und nicht in Kinderhände.
5. Frauenmanteltee

Über Frauenmanteltee haben wir schon ausführlich geschrieben. Das Kraut mit den typischen Tautropfen auf den Blättern schmeckt mild, leicht herb und krautig. Belastbare Daten zur Sicherheit in der Schwangerschaft fehlen, deshalb gilt: Trinke ihn in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht ohne ärztlichen Rat oder den Rat deiner Hebamme.
6. Ginkgotee

Der Ginkgo gehört zu den ältesten Baumarten der Erde, seine fächerförmigen Blätter sind unverwechselbar. Ginkgotee schmeckt mild, leicht herb und etwas holzig. In der EMA-Monografie zu Ginkgo-Spezialextrakten ist Kopfschmerz als sehr häufige Nebenwirkung aufgeführt. Die EMA-Angaben beziehen sich auf Arzneimittel mit Extrakt, nicht auf Tee. Ginkgo kann die Blutungsneigung erhöhen, bei Blutverdünnern oder Blutungsneigung solltest du vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen. In der Schwangerschaft darf Ginkgo-Extrakt nicht angewendet werden, auch bei Epilepsie ist Vorsicht nötig. Er ist nur für Erwachsene gedacht.
7. Lavendeltee

Lavendel duftet blumig und intensiv, der Tee schmeckt blumig mit einer leicht seifigen Note. Deshalb nimmt man ihn sparsam. Als Zubereitungsvorschlag nennt die EMA für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren 1 bis 2 g Blüten auf 150 ml kochendes Wasser. Eine Tasse Lavendeltee kann Teil einer Abendroutine sein. In Schwangerschaft und Stillzeit wird Lavendeltee von der EMA wegen fehlender Daten nicht empfohlen.
8. Mutterkrauttee

Mutterkraut (Tanacetum parthenium), auch Fieberkraut genannt, ist ein Korbblütler mit kleinen, margeritenähnlichen Blüten. Das Kraut riecht kräftig und schmeckt deutlich bitter. Die EMA-Angaben beziehen sich auf Arzneimittel mit pulverisiertem Kraut, für Tee nennt sie keine Dosierung. Mutterkraut ist nur für Erwachsene gedacht. Als Nebenwirkung sind Magen-Darm-Beschwerden beschrieben. Bei Allergie gegen Korbblütler darfst du es nicht verwenden. In Schwangerschaft und Stillzeit wird es nicht empfohlen, in Tierstudien gab es Hinweise auf Reproduktionstoxizität. Wenn du Kopfschmerzen oder Migräne hast, lass die Ursache ärztlich abklären, bevor du Pflanzenpräparate ausprobierst.
9. Weidenrindetee
Weidenrinde stammt von verschiedenen Weidenarten. Sie enthält Salicin, aus dem im Körper salicylsäureähnliche Stoffe entstehen. Als Tee schmeckt sie herb und bitter, ein wenig holzig. Für die Zubereitung wird zerkleinerte Rinde mit kochendem Wasser übergossen oder einige Minuten abgekocht und danach ziehen gelassen. Weil Weidenrinde salicylathaltig ist, gelten ähnliche Vorsichtsregeln wie bei ASS: Weidenrinde ist nur für Erwachsene gedacht, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren dürfen sie wegen des Risikos eines Reye-Syndroms nicht verwenden. Nicht verwenden darfst du sie außerdem bei Allergie gegen Salicylate oder Überempfindlichkeit gegen Schmerzmittel wie ASS, bei Asthma durch Salicylat-Empfindlichkeit, bei Magengeschwüren, schweren Leber- oder Nierenproblemen, Blutgerinnungsstörungen, G6PD-Mangel und im dritten Schwangerschaftsdrittel. Im ersten und zweiten Drittel sowie in der Stillzeit wird sie nicht empfohlen. Weidenrinde kann mit Gerinnungshemmern wie Phenprocoumon Wechselwirkungen haben, mit ASS oder anderen Schmerzmitteln solltest du sie nicht ohne ärztlichen Rat kombinieren. Ärztlichen Rat brauchst du, wenn Kopfschmerzen nach einem Tag nicht besser werden oder mit Fieber über 39 °C einhergehen.
Weitere Gedanken für den Alltag
- Genug trinken: Wasser und ungesüßter Tee gehören zu einem ausgeglichenen Tag. Ein Glas Wasser neben dem Schreibtisch erinnert dich daran.
- Schlaf und Bewegung: Regelmäßige Schlafzeiten und etwas Bewegung an der frischen Luft gehören für viele zu einem guten Alltag.
- Pausen: Eine bewusste Teepause ohne Bildschirm kann ein kleines Ritual sein, das dir den Tag strukturiert.
- Schmerzmittel mit Bedacht: Die Selbstmedikations-Empfehlungen der Fachgesellschaften (DMKG, DGN, ÖKSG, SKG) raten, Kopfschmerz- und Migränemittel nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als an zehn Tagen im Monat anzuwenden. Wird die Grenze regelmäßig überschritten, droht ein Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch. Die internationale Klassifikation (ICHD-3) spricht von Übergebrauch, wenn über mehr als drei Monate Triptane, Opioide oder Kombinationspräparate an mindestens 10 Tagen im Monat bzw. einfache Schmerzmittel wie Paracetamol, ASS oder Ibuprofen an mindestens 15 Tagen im Monat eingenommen werden. Für die Selbstmedikation gilt vorsichtshalber die strengere Grenze von zehn Tagen. Sprich bei häufiger Einnahme mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Ein Kopfschmerztagebuch kann zeigen, wann und in welchen Situationen Beschwerden auftreten. Die Leitlinie empfiehlt dafür einen Kopfschmerzkalender, in dem du auch die Tage mit Schmerzmitteln einträgst. Bring ihn zum Arztbesuch mit.
Wann du zur Ärztin oder zum Arzt gehen solltest
Plötzlich einsetzende, extrem heftige Kopfschmerzen ("wie ein Donnerschlag"), vor allem wenn du so etwas noch nie erlebt hast, und Kopfschmerzen mit Fieber und Nackensteifigkeit sind ein Fall für den Notruf (112) bzw. die sofortige Abklärung in der Notaufnahme. Nach den Empfehlungen der Fachgesellschaften ist ärztlicher Rat nötig, wenn Kopfschmerzen an mehr als zehn Tagen im Monat auftreten, mit Lähmungen, Gefühls-, Seh- oder Gleichgewichtsstörungen oder starkem Schwindel einhergehen, mit Verwirrtheit oder Gedächtnisstörungen verbunden sind, erstmals nach dem 40. Lebensjahr auftreten oder in Intensität, Dauer oder Ort ungewöhnlich sind. Das gilt ebenso für Kopfschmerzen, die erstmals bei oder nach körperlicher Anstrengung auftreten oder sehr stark sind und in den Nacken ausstrahlen, die von hohem Fieber begleitet werden, nach einem Sturz oder einer Kopfverletzung auftreten, trotz Medikamenten zunehmen, mit einem epileptischen Anfall oder Bewusstlosigkeit einhergehen oder nicht mehr auf bisher eingenommene Medikamente ansprechen. Im Zweifelsfall gilt: lieber einmal zu viel zur Ärztin oder zum Arzt.
Fazit
Kopfschmerzen sind lästig und haben viele Ursachen. Tee ist dafür keine Lösung, kann aber eine ruhige Pause im Alltag sein, mit Duft, Wärme und einem Moment für dich. Probiere die Sorten aus, die dir schmecken, und beachte die Hinweise zu Allergien, Schwangerschaft und Medikamenten. Bei langanhaltenden oder ungewöhnlichen Beschwerden gehörst du zur Ärztin oder zum Arzt.
Welche Tees gehören bei dir zur Pause im Alltag? Schreib uns deine Erfahrung gern in die Kommentare.
Häufige Fragen
Ersetzt Tee die ärztliche Abklärung bei Kopfschmerzen?
Nein. Tee ist ein Getränk und kein Ersatz für ärztlichen Rat. Wenn Kopfschmerzen häufig auftreten oder dich belasten, lass die Ursache abklären.
Welche Kräutertees sind koffeinfrei?
Alle neun hier vorgestellten Sorten sind Kräutertees ohne Koffein. Echter Tee wie Grüntee oder Schwarztee enthält dagegen Koffein.
Wie schmeckt Pfefferminztee?
Frisch, kühl und leicht mentholartig. Lass ihn zugedeckt ziehen, damit das Aroma erhalten bleibt. Bei Sodbrennen kann er unangenehm sein.
Was ist beim Koffein zu beachten?
Grüner Tee und andere Sorten der Teepflanze enthalten Koffein. Wer regelmäßig viel Koffein trinkt und plötzlich darauf verzichtet, kann Kopfschmerzen als Entzugserscheinung bekommen. Reduziere Koffein deshalb schrittweise, wenn du weniger davon möchtest.
Wie oft darf ich Schmerzmittel nehmen?
Für die Selbstmedikation empfehlen die Fachgesellschaften höchstens drei Tage hintereinander und höchstens zehn Tage im Monat, um einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch zu vermeiden. Brauchst du Schmerzmittel häufiger, lass das ärztlich abklären.
Wann sind Kopfschmerzen ein Warnzeichen?
Bei plötzlich einsetzenden, extrem heftigen Schmerzen (Donnerschlag), bei sehr starken Schmerzen, die erstmals bei Anstrengung auftreten oder in den Nacken ausstrahlen, bei Fieber mit Nackensteifigkeit, bei hohem Fieber, Lähmungen, Sprach-, Seh- oder Gleichgewichtsstörungen, nach einer Kopfverletzung oder bei Bewusstseinsstörungen solltest du umgehend ärztliche Hilfe holen.
Quellen
- AWMF/DGN: Leitlinie Kopfschmerz vom Spannungstyp (2024)
- DMKG, DGN, ÖKSG, SKG: Selbstmedikation bei Migräne und Kopfschmerz vom Spannungstyp (2009)
- ICHD-3: Medication-overuse headache
- ICHD-3: Caffeine-withdrawal headache
- EMA: Zingiberis rhizoma (Ingwer)
- EMA: Menthae piperitae folium (Pfefferminzblätter)
- EMA: Matricariae flos (Kamillenblüten)
- EMA: Caryophylli flos (Gewürznelken), Assessment Report
- EMA: Ginkgo folium
- EMA: Lavandulae flos (Lavendelblüten)
- EMA: Tanaceti parthenii herba (Mutterkraut)
- EMA: Salicis cortex (Weidenrinde)
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