Tee-Wissen

Johanniskraut Tee: Zubereitung, Geschmack & Hinweise

Von Denis Treter · Veröffentlicht am 15.01.2021 · Aktualisiert am 08.10.2026 · 8 Min. Lesezeit
Gelb blühendes Johanniskraut
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden, in Schwangerschaft und Stillzeit sprich bitte vorab mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Inhalt dieses Beitrags
  1. Was ist Johanniskraut Tee?
  2. Johanniskraut Tee Zubereitung
  3. Inhaltsstoffe und Hinweise
  4. Weitere Fakten
  5. Botanik und Erntezeit
  6. Tee und Arzneimittel: Unterschiede im Überblick
  7. Geschmack und Aroma
  8. Einkauf, Qualität und Schadstoffe
  9. Lagerung und Haltbarkeit
  10. Zubehör und Wasserhärte
  11. Gut zu wissen im Alltag
  12. Eine Teepause, die zu dir passt
  13. Fazit
  14. Häufige Fragen
  15. Quellen

Johanniskraut Tee wird aus dem Kraut des Echten Johanniskrauts (Hypericum perforatum) zubereitet. Er schmeckt bitter und leicht erdig. Wichtig: Johanniskraut kann beeinflussen, wie andere Medikamente im Körper arbeiten, unter anderem die Pille. Sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke, wenn du Medikamente nimmst.

ZubereitungZiehzeitVerwendungGeschmack
ca. 1,5-2 g getrocknetes Johanniskraut auf eine Tasse (150 ml) kochendes Wassernach Packungsangabe, üblich sind 5-10 MinutenKräutertee, Wechselwirkungen beachtenbitter, erdig

Was ist Johanniskraut Tee?

Johanniskraut ist eine Pflanze mit gelben, sternförmigen Blüten. Sie wächst auf sonnigen Wiesen und an Wegrändern in Europa, Nordamerika, Asien und weiteren Regionen. Für Tee werden die blühenden oberen Teile der Pflanze getrocknet.

Der Tee schmeckt bitter und leicht erdig. Viele mischen ihn mit anderen Kräutern, etwa mit Melissentee oder Hibiskustee, oder süßen ihn mit etwas Honig.

Johanniskraut Tee Zubereitung 

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Bild von hudsoncrafted auf Pixabay
  1. Gib etwa 1,5 bis 2 g getrocknetes Johanniskraut in eine Tasse mit 150 ml Inhalt.
  2. Übergieße es mit kochendem Wasser.
  3. Lass den Tee zugedeckt ziehen, üblich sind 5 bis 10 Minuten.
  4. Seihe ihn ab.

Halte dich an die Packungsangabe. Trinke ihn in Maßen und nicht dauerhaft. Wie viel Hyperforin und Hypericin in einer Tasse landet, lässt sich beim Tee nicht sicher sagen, die Menge ist nicht standardisiert wie bei Extrakten aus der Apotheke. Wechselwirkungen kannst du deshalb auch beim Tee nicht ausschließen.

Johanniskraut Tee selber machen

Wenn du Johanniskraut sammelst oder anbaust, achte auf das Echte Johanniskraut. Es hat Blüten mit vielen Staubblättern, und beim Zerreiben einer Knospe oder Blüte tritt roter Saft aus. Sammle nur, wenn du die Pflanze sicher erkennst und sie ungespritzt ist. Schneide die blühenden Triebspitzen ab, binde sie zusammen und lass sie an einem luftigen, schattigen Ort trocknen. Ein Backofen bei niedriger Temperatur geht auch.

Inhaltsstoffe und Hinweise

Johanniskraut wird seit Langem pflanzlich genutzt. Zu den Inhaltsstoffen zählen Hypericin, Hyperforin und Flavonoide. Der Tee schmeckt bitter und leicht erdig, mit einer herben, harzigen Note. Wer das nicht mag, kombiniert ihn mit milden Kräutern.

Tee ist kein Extrakt

Johanniskraut gibt es auch als standardisierte Extrakte in Arzneimitteln. Sie sind etwas völlig anderes als eine Tasse Tee, und Aussagen zu Extrakten lassen sich nicht auf den Tee übertragen. Wenn dich gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit oder Schlafprobleme über zwei Wochen hinaus beschäftigen, lass dich ärztlich oder psychotherapeutisch beraten. Dafür ist ein Tee kein Ersatz.

Als Abendtee?

Johanniskraut ist kein typischer Abendtee, auch weil er Wechselwirkungen haben kann. Wer eine ruhige Teepause am Abend sucht, findet milde Alternativen: Melissentee, Lavendeltee, Passionsblumentee oder Baldriantee.

Weitere Fakten

Wechselwirkungen und Nebenwirkungen

Nach der EMA-Monografie aktivieren Johanniskraut-Zubereitungen Leberenzyme (CYP3A4, CYP2B6, CYP2C9, CYP2C19) und den Transporter P-Glykoprotein. Dadurch können Medikamente schwächer wirken. Die EMA nennt unter anderem:

  • Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ (z. B. Warfarin)
  • Immunsuppressiva nach Transplantationen: Ciclosporin, Tacrolimus, Everolimus, Sirolimus
  • HIV-Medikamente (Proteasehemmer wie Indinavir, nukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer) und Zytostatika wie Irinotecan und Imatinib
  • hormonelle Verhütungsmittel (die Pille): Es kann zu Zwischenblutungen und geringerer Verhütungssicherheit kommen, zusätzliche Verhütung ist nötig
  • Antidepressiva wie SSRI (z. B. Sertralin, Paroxetin) und Buspiron: Zusammen können sie serotonerge Wirkungen verstärken, sehr selten bis zum Serotoninsyndrom
  • weitere Beispiele: Amitriptylin, Alprazolam, Diazepam, Midazolam, Methadon, Simvastatin, Digoxin, Finasterid

Die EMA unterscheidet bei der Einstufung nach der täglichen Hyperforin-Menge (bis 1 mg oder darüber). Bei Zubereitungen mit mehr als 1 mg Hyperforin pro Tag ist die gleichzeitige Einnahme der genannten Gerinnungshemmer, Immunsuppressiva, HIV- und Krebsmittel ausdrücklich ausgeschlossen. Wie viel Hyperforin in deinem Tee steckt, weißt du in der Regel nicht. Auch für Zubereitungen mit höchstens 1 mg Hyperforin pro Tag nennt die EMA nur für eine Anwendung bis zu zwei Wochen keine klinisch relevanten Wechselwirkungen. Ein sicherer Bereich ohne Wechselwirkungen ist damit nicht belegt: Mitglieder aus Finnland und Irland halten die Datenlage dafür ausdrücklich nicht für ausreichend. Die Monografie wurde nur mit 19 von 28 Stimmen beschlossen; mehrere Mitglieder legten abweichende Positionen vor, unter anderem wegen des Risikos solcher Wechselwirkungen bei Selbstmedikation.

Nimmst du regelmäßig Medikamente, trinke Johanniskraut Tee nicht ohne Rücksprache mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke. Vor geplanten Operationen sollte geprüft werden, ob Johanniskraut abgesetzt werden muss. Nach dem Absetzen normalisiert sich die erhöhte Enzymaktivität laut EMA innerhalb von etwa einer Woche.

Außerdem solltest du während der Anwendung intensive UV-Strahlung meiden, also starke Sonne und Solarium. Besonders hellhäutige Menschen können mit Kribbeln, Brennen oder sonnenbrandähnlichen Hautreaktionen reagieren. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall), allergische Hautreaktionen, Müdigkeit und Unruhe. Zur Fahrtüchtigkeit liegen keine Untersuchungen vor. Brich bei auffälligen Beschwerden den Konsum ab und sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder

Die EMA empfiehlt Johanniskraut in Schwangerschaft und Stillzeit nicht, da die Sicherheit nicht belegt ist und Tierstudien Hinweise auf Schäden für die Fortpflanzung zeigten. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird die Anwendung zum Trinken ebenfalls nicht empfohlen.

Botanik und Erntezeit

Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) gehört zu den Johanniskrautgewächsen. Es wird etwa 20 bis 100 Zentimeter hoch und blüht von Juni bis in den Spätsommer. Der Name erinnert an den Johannistag am 24. Juni, in dessen Nähe die Pflanze üblicherweise zu blühen beginnt. Hält man ein Blatt ins Licht, erscheinen kleine helle Punkte, die an Löcher erinnern. Es sind Öldrüsen, daher der Beiname „perforatum“ (durchlöchert).

Für Tee werden die blühenden Triebspitzen geschnitten und getrocknet. Die beste Erntezeit liegt an einem trockenen, sonnigen Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist. Das getrocknete Kraut verliert dabei den größten Teil seiner Farbe und wird olivgrün bis bräunlich mit gelben Blütenresten.

Tee und Arzneimittel: Unterschiede im Überblick

Tee aus dem KrautArzneimittel mit Extrakt
Zusammensetzungschwankt je nach Charge, Ziehzeit und Mengestandardisiert und geprüft
EinkaufSupermarkt, Reformhaus, ApothekeApotheke
Einstufungmeist Lebensmittel, teils als Arzneitee angebotenArzneimittel mit Packungsbeilage
Beratungfreiwillig, bei Medikamenten dringend sinnvolldurch Ärztin, Arzt oder Apotheke

Das Beispiel zeigt, warum Aussagen über Extrakte nicht auf den Tee passen. Sprich bei Fragen zu Arzneimitteln mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke.

Geschmack und Aroma

Johanniskraut-Tee schmeckt bitter und erdig, mit einer leicht harzigen Note. Im Duft erinnert er an Heu und trockene Blüten. Die Farbe in der Tasse ist goldgelb bis hellbraun, abhängig von Menge und Ziehzeit. Wer es milder möchte, verkürzt die Ziehzeit oder mischt mit anderen Kräutern. Die Bitterkeit lässt sich mit Honig oder einer Zitronenscheibe abrunden.

Einkauf, Qualität und Schadstoffe

  • Auf der Packung steht die lateinische Bezeichnung (Hypericum perforatum, im Arzneibuch „Hyperici herba“).
  • Der Hersteller ist erkennbar. Kaufe lieber bei Händlern, die Herkunft und Charge nennen.
  • Bio-Qualität und ein Prüfbericht zu Rückständen sind ein gutes Zeichen.
  • Das Kraut sollte nach Heu und Blüten riechen und keine Fremdteile enthalten.
  • Teeprodukte aus der Apotheke unterliegen oft strengeren Qualitätskontrollen.

Frage in der Apotheke nach, wenn du dir bei einem Produkt unsicher bist. Halte dabei eine Liste deiner Medikamente bereit.

Lagerung und Haltbarkeit

Bewahre das Kraut trocken, dunkel und luftdicht in einer Teedose oder einem Schraubglas auf. Licht lässt die Farbe verblassen, Feuchtigkeit begünstigt Schimmel. Das Mindesthaltbarkeitsdatum steht auf der Packung. Schimmeliges oder muffig riechendes Kraut gehört in den Müll.

Zubehör und Wasserhärte

Gieße den Tee in einer Kanne oder Tasse mit Deckel auf. Das hält die Aromastoffe zurück. Ein feines Sieb filtert Blütenreste. Weiches Wasser bringt das Aroma klarer zur Geltung. Bei hartem Wasser kann der Tee flacher schmecken.

Gut zu wissen im Alltag

  • Medikamentenliste mitnehmen: Wenn du regelmäßig Medikamente nimmst, sprich vor dem ersten Aufguss mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke.
  • Sonnenlicht beachten: Plane an sonnigen Tagen Schatten und Sonnenschutz ein.
  • Nicht auf Vorrat trinken: Greife nicht ohne Grund zu mehr Tassen als auf der Packung steht.
  • Operationen: Erwähne Johanniskraut-Tee vor einem geplanten Eingriff im Behandlungsteam.

Eine Teepause, die zu dir passt

Nicht jeder Tee muss ein Ritual werden. Johanniskraut ist ein Kraut, das Vorsicht verlangt, weil es mit Medikamenten in Wechselwirkung treten kann. Wenn du Lust auf eine ruhige Tasse hast, findest du mildere Alternativen im Beitrag Abendtee. Eine Sammlung von Ideen für kleine Auszeiten findest du unter Teepause und Tee-Ritual.

Fazit

Johanniskraut Tee ist ein bitter-erdiger Kräutertee. Wegen der Wechselwirkungen, besonders mit der Pille und mit Antidepressiva, solltest du ihn nicht auf eigene Faust trinken, wenn du Medikamente nimmst.

Häufige Fragen

Wie schmeckt Johanniskraut Tee?

Bitter, leicht erdig und herb-harzig. Mit Honig oder milden Kräutern wie Melisse wird er runder.

Wie bereitet man Johanniskraut Tee zu?

Etwa 1,5 bis 2 g Kraut mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und zugedeckt ziehen lassen (üblich sind 5 bis 10 Minuten).

Kann ich Johanniskraut Tee mit der Pille trinken?

Besser nicht ohne Rücksprache. Laut EMA kann Johanniskraut die Sicherheit hormoneller Verhütungsmittel beeinträchtigen, es braucht dann zusätzliche Verhütung.

Wie lange darf ich Johanniskraut Tee trinken?

Für Tee aus dem Lebensmittelhandel gibt es keine eigene Höchstdauer. Die EMA-Monografie für Arzneitee nennt zwei Wochen als Zeitraum, nach dem bei anhaltenden Beschwerden ärztlicher Rat eingeholt werden soll. Trinke den Tee nicht dauerhaft und nicht in großen Mengen, und lass anhaltende Beschwerden ärztlich abklären.

Wann ist die beste Erntezeit für Johanniskraut?

Zur Blütezeit, meist von Juni bis August, an einem trockenen Vormittag. Sammle nur, wenn du die Pflanze sicher erkennst.

Wie lagere ich Johanniskraut?

Trocken, dunkel und luftdicht, zum Beispiel in einer Teedose. Feuchte oder muffige Ware entsorgst du.

Ist Johanniskraut-Tee dasselbe wie Johanniskraut-Tabletten?

Nein. Tabletten und Kapseln enthalten standardisierte Extrakte und gelten als Arzneimittel. Tee ist ein Aufguss mit schwankender Zusammensetzung.

Quellen

Titelbildquelle: Bild von Manfred Richter auf Pixabay