Tee und Haarausfall: Ein ehrlicher Überblick

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Tee ist kein Mittel gegen Haarausfall und ersetzt keine ärztliche Abklärung. Eine häufige Ursache ist eine erblich bedingte Veranlagung, die du am besten in einer Hautarztpraxis besprichst. Tee kann ein ruhiges Ritual sein und als Spülung für die Haare ausprobiert werden, mehr aber nicht.
Wichtig ist, die Ursache zu kennen. Dieser Beitrag erklärt, wie Haarausfall entsteht, welche Teesorten wir dir mit Geschmack und Zubereitung vorstellen und wann der Gang zur Hautarztpraxis sinnvoll ist.
Wie entsteht Haarausfall?
Haarverlust gehört zum normalen Haarzyklus. Etwa 60 bis 100 Haare am Tag zu verlieren, gilt laut Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft als normal (gesundheitsinformation.de nennt 70 bis 100). Verlierst du über längere Zeit deutlich mehr oder wird das Haar sichtbar dünner, lass die Ursache ärztlich abklären.
Man unterscheidet vor allem diese Formen: den erblich bedingten (androgenetischen) Haarausfall, den diffusen Haarausfall über die ganze Kopfhaut und den kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata), der meist eine Autoimmunreaktion ist.

Der erblich bedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie) gehört zu den häufigsten Ursachen für Haarverlust bei Männern und Frauen. Dabei werden die genetisch vorbelasteten Haarwurzeln unter dem Einfluss von Dihydrotestosteron (DHT), einem Abbauprodukt von Testosteron, immer kleiner. Bei Frauen kann sich die Veranlagung schon in jungen Jahren zeigen, in den Wechseljahren verstärkt die Hormonumstellung sie häufig weiter.
Weitere mögliche Auslöser:
- Eisenmangel, eine häufige Ursache bei Frauen
- Schilddrüsenüberfunktion
- Hormonelle Veränderungen, etwa 2 bis 4 Monate nach der Geburt oder beim An- und Absetzen hormoneller Verhütungsmittel
- Länger dauernde schwere Erkrankungen oder Fieber, deren Folgen sich erst nach 2 bis 4 Monaten zeigen
- Medikamente, etwa Chemotherapie oder Heparin
- Autoimmunreaktionen (kreisrunder Haarausfall)
Welche Möglichkeiten es bei erblich bedingtem Haarausfall gibt, besprichst du mit einer Hautärztin oder einem Hautarzt. Frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel sind ohne nachgewiesenen Mangel nach Einschätzung der Arzneimittelkommission überflüssig. Lass vor dem Kauf von Präparaten ärztlich klären, was bei dir überhaupt eine Rolle spielt.
17 Teesorten im Überblick
Ein Tee schadet bei normaler Zubereitung in der Regel nicht. Zu Haarausfall machen wir bei keiner der folgenden Sorten eine Aussage. Wir stellen sie dir mit Geschmack, Zubereitung und Hinweisen zur Sicherheit vor. Manche Sorten sind aus der Volksküche und aus Haarpflege-Tipps bekannt.
Tee kannst du außerdem als Haarspülung ausprobieren. Dafür bereitest du einen kräftigen Aufguss zu, lässt ihn abkühlen, gießt ihn nach der Haarwäsche über Haare und Kopfhaut, lässt ihn kurz einwirken und spülst nach Wunsch aus. Viele mögen den Duft und das frische Gefühl. Teste die Spülung zuerst an einer kleinen Stelle, falls deine Haut empfindlich ist.
Diese Sorten stellen wir dir vor.
Basilikum Tee
Basilikum Tee schmeckt würzig und leicht süßlich, ähnlich wie das Küchenkraut. Du übergießt einige frische oder getrocknete Blätter mit heißem Wasser und lässt sie ein paar Minuten ziehen. Manche nutzen den abgekühlten Aufguss wegen des Dufts auch als Haarspülung.
Exkurs: DHT (Dihydrotestosteron) ist ein Stoffwechselprodukt von Testosteron. Bei genetischer Veranlagung lässt es die Haarwurzeln schrumpfen (Miniaturisierung). Mehr dazu bei Wikipedia. Über Tee lässt sich dazu nichts ableiten.

Birkentee
Birkenblätter schmecken mild, leicht herb und etwas frisch-grün. In der Volksküche und in Haarwässern ist die Birke seit Langem bekannt. Für eine Haarspülung übergießt du einige Blätter mit heißem Wasser, lässt den Aufguss abkühlen und gießt ihn über die Haare.

Brennnesseltee
Brennnesselblätter enthalten unter anderem Mineralstoffe, Vitamin C und Flavonoide. Der Tee schmeckt kräftig-grün und etwas herb. Als Tee ist er in erster Linie eine Flüssigkeitsquelle und ersetzt keine ärztliche Abklärung. Eisenmangel ist laut Arzneimittelkommission eine häufige Ursache von Haarausfall bei Frauen. Das lässt du ärztlich per Blutuntersuchung klären.
Zubereitung: Brennnesselblätter nach Packungsangabe mit heißem Wasser übergießen und einige Minuten ziehen lassen. Als Haarspülung kannst du den abgekühlten Aufguss verwenden. Mehr im Beitrag zum Brennnesseltee.

Bockshornklee Tee
Bockshornkleesamen enthalten unter anderem Saponine, Schleimstoffe und Vitamine. Der Tee schmeckt würzig-bitter und erinnert an Curry und Maggi-Würze. Bereite einen Aufguss nach Packungsangabe zu und gieße ihn durch ein Sieb. Mehr zur Pflanze beim Bockshornklee Tee.
Cistustee
Cistustee aus der Zistrose schmeckt herb, leicht erdig und etwas holzig. Er enthält Polyphenole und ätherische Öle. In Portugal soll er auch zum Haarewaschen verwendet worden sein. Bereite ihn nach Packungsangabe zu.

Grüner Tee
Grüner Tee enthält Polyphenole, vor allem Catechine wie EGCG. Er schmeckt grasig-frisch und manchmal leicht herb. Beachte, dass er Koffein enthält. Bereite ihn nach Packungsangabe mit nicht ganz kochendem Wasser zu, damit er nicht zu bitter wird.
Guave Tee
Guavenblätter enthalten Vitamin C und weitere Pflanzenstoffe. Der Tee schmeckt mild, leicht herb und etwas fruchtig. Bereite ihn nach Packungsangabe zu. Wunder solltest du von keinem Tee erwarten.

Huflattichblüten Tee
Von Huflattich solltest du die Finger lassen. Huflattich enthält Pyrrolizidinalkaloide (PA). Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt Huflattich ausdrücklich als Pflanze mit 1,2-ungesättigten PA, die man meiden soll. Bestimmte PA können die Leber schädigen, und für einige wurde in Tierversuchen ein erbgutveränderndes und krebserzeugendes Potenzial nachgewiesen. Das BfR rät außerdem, Kräutertees abwechselnd mit anderen Getränken zu trinken, Kindern nicht ausschließlich Kräutertee zu geben und Schwangeren ebenfalls zur Abwechslung. Auf eine Zubereitung verzichten wir deshalb bewusst.
Ingwer Tee
Ingwertee schmeckt würzig und scharf und wird heiß getrunken. Wie du ihn zubereitest, steht im Beitrag zum Ingwer Tee. In der Schwangerschaft und Stillzeit empfiehlt die EMA Ingwer-Arzneimittel nicht, zu Lebensmittelmengen siehe den Beitrag.

Jasmin Tee
Jasmintee ist meist grüner Tee mit Jasminblüten. Er schmeckt blumig und mild und duftet intensiv. Als Haarspülung ist er nicht nötig, eine Haarkur über Nacht kann die Kopfhaut reizen.
Kamillentee
Kamillentee schmeckt mild, blumig und leicht herb. Als Haarspülung färbt er helles Haar manchmal leicht. Für eine Spülung bereitest du einen kräftigen Aufguss zu und lässt ihn abkühlen. Wer Kamillentee trinkt: Die EMA nennt als Zubereitungsvorschlag für Erwachsene 1,5 bis 4 g Blüten auf 150 ml kochendes Wasser. Bei Allergie gegen Korbblütler darfst du Kamille nicht verwenden.
Knoblauch Tee
Knoblauch ist vor allem ein Küchengewürz mit kräftigem Aroma. Als Tee ist er wenig verbreitet. Roher Knoblauch auf der Haut kann sie stark reizen, wir raten davon ab.
Lapacho Tee
Lapacho Tee stammt aus Südamerika und schmeckt mild, leicht süßlich und etwas holzig-vanillig. Er wird aus der Rinde des Lapachobaums zubereitet. Hast du juckende, schuppende oder gerötete Kopfhaut, lass die Ursache hautärztlich abklären.

Lavendeltee
Lavendeltee kann ein ruhiges Abendritual sein. Er schmeckt blumig mit leicht seifiger Note. Die EMA nennt als Zubereitungsvorschlag für Erwachsene 1 bis 2 g Blüten auf 150 ml kochendes Wasser. In Schwangerschaft und Stillzeit wird Lavendeltee nicht empfohlen.
Matcha Tee
Matcha ist fein gemahlener Grüntee, bei dem du das ganze Blatt trinkst. Er schmeckt kräftig, grasig und leicht süßlich. Er enthält entsprechend viel Koffein und Catechine.
Pfefferminztee
Pfefferminztee gehört in viele Haushalte. Er schmeckt frisch und mentholartig. Als Haarspülung geben viele den abgekühlten Aufguss gern über die Haare, weil er so frisch riecht. Als Zubereitungsvorschlag nennt die EMA für Erwachsene 1,5 bis 3 g Blätter auf 100 bis 150 ml kochendes Wasser. In Schwangerschaft und Stillzeit wird er nicht empfohlen.
Petersilientee
Petersilie enthält Vitamine und ätherische Öle. Petersilientee schmeckt würzig-grün und kräftig. Belastbare Sicherheitsdaten zu Petersilientee in der Schwangerschaft haben wir nicht gefunden, frage deshalb vorher Hebamme oder Ärztin.
Rosmarin Tee
Rosmarin enthält ätherische Öle und duftet kräftig-harzig. Rosmarin Tee schmeckt würzig, leicht herb und nadelig. Als Haarspülung ist er ein beliebter Haarpflege-Tipp, den viele wegen des Dufts mögen. Als Zubereitungsvorschlag nennt die EMA für Erwachsene 1 bis 2 g Blätter auf 150 bis 250 ml kochendes Wasser. In Schwangerschaft und Stillzeit wird Rosmarintee nicht empfohlen.

Salbeitee
Salbeitee schmeckt kräftig-würzig, herb und leicht bitter. Für eine Haarspülung bereitest du einen Aufguss nach Packungsangabe zu und lässt ihn abkühlen. Als Zubereitungsvorschlag nennt die EMA für Erwachsene 1 bis 2 g Blätter auf 150 ml kochendes Wasser. In Schwangerschaft und Stillzeit wird Salbeitee nicht empfohlen.
Schwarzer Tee
Schwarzer Tee stammt ebenfalls von Camellia sinensis. Er schmeckt kräftig, malzig und leicht herb und enthält Koffein. Als Haarspülung kann Schwarztee Haare dunkler färben. Für eine Spülung bereitest du einen kräftigen Aufguss nach Packungsangabe zu.
Traubensilberkerzen Tee
Traubensilberkerze (Cimicifuga) ist eine Staude aus Nordamerika, die vor allem in Arzneimitteln vorkommt. Das BfArM hat 2009 im Rahmen eines Stufenplanverfahrens angeordnet, die Produktinformationen von Arzneimitteln mit Traubensilberkerze wegen möglicher Leberschäden zu ergänzen. Bei Anzeichen wie Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunklem Urin, Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Appetitverlust oder Müdigkeit soll die Einnahme sofort beendet und ärztlicher Rat gesucht werden. Das BfArM verweist auf Arzneimittel; für Tee aus der Wurzel gibt es keine eigene Bewertung. Sprich vor der Anwendung mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Weißer Tee
Weißer Tee wird ebenfalls aus Camellia sinensis gewonnen und weniger stark verarbeitet als Grüntee. Er schmeckt zart, mild und leicht süßlich und enthält Koffein. Brühe ihn mit nicht ganz kochendem Wasser auf.
Fazit
Tee ist eine angenehme Ergänzung für den Alltag, zum Beispiel als Haarspülung oder Abendritual, aber kein Ersatz für ärztliche Abklärung. Eine ausgewogene Ernährung und ein ruhiger Alltag gehören für viele zum Wohlbefinden dazu.
Geh zur Hautärztin oder zum Hautarzt, wenn du über Wochen deutlich mehr Haare verlierst, kreisrunde kahle Stellen bemerkst, die Kopfhaut juckt, schuppt oder schmerzt, oder wenn du Medikamente einnimmst, die als Auslöser infrage kommen. Bei der Abklärung werden je nach Fall zum Beispiel Eisen (Ferritin) und die Schilddrüse untersucht. Auch nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren lohnt sich die Abklärung.
Häufige Fragen
Ersetzt Tee die ärztliche Abklärung bei Haarausfall?
Nein. Tee ist ein Getränk und kann als Haarspülung ein Pflegeritual sein. Bei auffälligem Haarverlust gehört die Ursache in ärztliche Hände, am besten in eine Hautarztpraxis.
Was sollte ich über grünen Tee wissen?
Grüner Tee enthält Koffein und Catechine. Bereite ihn nach Packungsangabe zu. Wenn du empfindlich auf Koffein reagierst, trinke ihn in kleinen Mengen oder weiche auf koffeinfreie Kräutertees aus.
Wie schmeckt Pfefferminztee, und kann man ihn als Spülung nutzen?
Er schmeckt frisch und mentholartig. Viele empfinden eine abgekühlte Pfefferminztee-Spülung wegen des Menthols als kühlend und angenehm im Duft.
Wie viele Haare am Tag zu verlieren ist normal?
Nach Angaben der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft sind es etwa 60 bis 100 Haare, gesundheitsinformation.de nennt 70 bis 100. Verlierst du dauerhaft deutlich mehr, lass die Ursache abklären.
Quellen
- Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Haarausfall in der Praxis (AVP 1/2015)
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Wie sind Haare aufgebaut und wie wachsen sie?
- BfArM: Cimicifugahaltige Arzneimittel, Leberschäden (Stufenplan Stufe II)
- BfR: Fragen und Antworten zu Pyrrolizidinalkaloiden in Lebensmitteln
- EMA: Matricariae flos (Kamillenblüten)
- EMA: Menthae piperitae folium (Pfefferminzblätter)
- EMA: Lavandulae flos (Lavendelblüten)
- EMA: Salviae officinalis folium (Salbeiblätter)
- EMA: Rosmarini folium (Rosmarinblätter)
- EMA/HMPC: Ingwerwurzelstock