Tee und Völlegefühl: Das solltest du wissen

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Tee ist ein Getränk und ein Ritual, keine Behandlung. Nach einem üppigen Essen greifen viele zu Kümmel-, Fenchel-, Anis-, Kamillen- oder Pfefferminztee und nehmen sich Zeit für eine ruhige Pause. Tritt ein Völlegefühl häufig oder dauerhaft auf, steckt oft ein Reizmagen oder eine andere Ursache dahinter, die ärztlich abgeklärt werden sollte.
Dieser Beitrag ersetzt keine Diagnose. Tee ist ein Begleiter für die Pause nach dem Essen, kein Ersatz für ärztliche Abklärung.
Wie entsteht das Völlegefühl?
Der Magen speichert Nahrung und gibt sie portionsweise an den Dünndarm weiter. Isst du zu viel, zu fett oder zu schnell, bleibt der Mageninhalt länger liegen, der Magen dehnt sich und es entsteht ein Druckgefühl. Wer hastig isst, schluckt zudem Luft, was Aufstoßen und Blähungen begünstigt. Stress verstärkt das oft.
Wenn ein Völlegefühl immer wieder auftritt, kann ein Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) dahinterstecken. Laut gesundheitsinformation.de sind 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland betroffen. Typisch sind Oberbauchschmerzen, frühes Sättigungsgefühl oder Völle nach dem Essen, manchmal auch Blähungen, Übelkeit und Aufstoßen. Der Reizmagen gilt als ungefährlich. Was für dich in Frage kommt, klärst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Wann du zum Arzt solltest
- bei ungewolltem Gewichtsverlust, Schluckbeschwerden oder anhaltendem Erbrechen,
- bei Blut im Erbrochenen oder im Stuhl,
- bei neu auftretenden Beschwerden, die über mehrere Wochen bleiben,
- bei Brustschmerzen, Luftnot oder Schweißausbrüchen zusammen mit Völlegefühl: sofort den Notruf wählen.
Tee und Völlegefühl: Gängige Sorten
Die folgenden Pflanzen sind als Tees nach dem Essen bekannt. Trinke den Tee warm, in Ruhe, und nicht länger als etwa zwei Wochen am Stück, ohne ärztlichen Rat einzuholen (so die EMA bei den meisten dieser Pflanzen). Fenchel-, Kümmel- und Aniszubereitungen setzt du mit einem leicht angedrückten Teelöffel Früchte pro Tasse an.
1. Kümmeltee

Kümmeltee schmeckt würzig und leicht herb. Gedacht für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren. Zerdrücke 1 Teelöffel Früchte leicht, übergieße sie mit heißem Wasser und lass den Tee 10 Minuten zugedeckt ziehen. Nicht geeignet bei Allergie gegen Doldenblütler wie Fenchel, Sellerie oder Koriander oder gegen Beifuß und Birke.
2. Fencheltee

Fencheltee schmeckt süßlich-aromatisch und leicht nach Anis. Er enthält Estragol. Die Verbraucherzentrale rät Erwachsenen, ihn nur gelegentlich zu trinken, höchstens 14 Tage am Stück. Kinder unter 4 Jahren sowie Schwangere und Stillende sollten ihn meiden. Zerdrücke 1 Teelöffel Früchte leicht, übergieße sie mit heißem Wasser und lass den Tee 10 Minuten ziehen.
3. Anistee

Anis schmeckt süßlich und aromatisch, nur für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren und nicht länger als zwei Wochen. Nicht geeignet bei Allergie gegen Anis, Anethol oder Doldenblütler. Anis enthält wie Fenchel Estragol, in Schwangerschaft und Stillzeit sprich vorher mit Ärztin oder Hebamme.
4. Kamillentee

Kamillentee schmeckt mild, blumig und leicht herb, meist für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren. Übergieße 1 bis 2 Teelöffel Blüten mit heißem Wasser und lass den Tee 5 bis 10 Minuten zugedeckt ziehen. Nicht geeignet bei Allergie gegen Korbblütler. Mehr dazu: Tee und Magen-Darm-Beschwerden.
5. Pfefferminztee
Pfefferminztee schmeckt frisch und mentholig, für Erwachsene und Kinder ab 4 Jahren. Übergieße 1 Teelöffel Blätter mit 150 ml heißem Wasser und lass den Tee 5 bis 10 Minuten zugedeckt ziehen. Bei Sodbrennen kann er Beschwerden verstärken, bei Gallensteinen ist Vorsicht geboten.
6. Melissentee
Melissentee schmeckt mild, zitronig und frisch, für Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren. Übergieße 1 bis 2 Teelöffel Blätter mit heißem Wasser und lass den Tee 10 Minuten ziehen.
7. Ingwertee

Ingwertee schmeckt scharf, frisch und wärmend. Gib 2 bis 3 dünne Scheiben frischen Ingwer in eine Tasse, übergieße sie mit heißem Wasser, decke sie ab und lass den Tee bis zu 10 Minuten ziehen. Bei empfindlichem Magen kann er reizen, in Schwangerschaft und Stillzeit sprich vorher nach.
8. Artischocken-, Löwenzahn-, Schafgarben- und Wermuttee
Diese Bittertees haben einen herben Geschmack und werden traditionell vor dem Essen getrunken. Sie sind nicht geeignet bei bestimmten Leber- und Gallenwegserkrankungen und bei Allergie gegen Korbblütler, das gilt auch für Löwenzahn und Schafgarbe. Artischockenblätter sind für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren gedacht. Wermut enthält Thujon und ist nur für Erwachsene gedacht. Er sollte nur kurz und in kleiner Menge getrunken werden, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit. Setze Bittertees nicht über Wochen ein, sondern frage nach zwei Wochen in der Praxis nach.


Welche Tees hier nicht passen
Beifuß, Chinarinde, Hopfen, Koriander, Petersilie, Kardamom und Rosmarin führen wir hier nicht auf, weil uns belastbare Quellen fehlen. Beifuß sollte in der Schwangerschaft gemieden werden, weil er wehenfördernd sein kann, und er gehört zu den Korbblütlern.
Was du außer Tee tun kannst
- Iss langsam und in kleineren Portionen, kau gründlich.
- Meide stark fettiges Essen am Abend und trinke nicht zu viel zum Essen.
- Ein Spaziergang nach dem Essen tut vielen gut.
- Gönn dir Pausen und Entspannung, wenn dir Stress auf den Magen schlägt.
Fazit
Tee nach dem Essen kann ein schönes Ritual sein. Kümmel, Fenchel, Anis, Kamille und Pfefferminze sind bekannte Sorten, die du je nach Geschmack wählst. Achte auf die genannten Hinweise zu Dauer und Gegenanzeigen. Wiederkehrende Beschwerden oder Warnzeichen gehören ärztlich abgeklärt, denn hinter einem Völlegefühl können Ursachen wie ein Reizmagen oder eine Gastritis stecken.
Häufige Fragen
Welche Tees trinken viele bei Völlegefühl?
Kümmel, Fenchel, Anis, Kamille, Pfefferminze und Melisse sind bekannte Sorten. Einen einzelnen besten Tee gibt es nicht, es ist eine Frage von Geschmack und Verträglichkeit.
Wann trinke ich den Tee am besten?
Kümmel-, Fenchel-, Anis- und Kamillentee trinken viele nach dem Essen, Bittertees wie Artischocke oder Löwenzahn traditionell davor.
Wie lange darf ich diese Tees trinken?
Laut EMA solltest du bei den meisten dieser Pflanzen nach spätestens zwei Wochen ärztlichen Rat einholen, wenn die Beschwerden bleiben.
Wann ist Völlegefühl bedenklich?
Bei Gewichtsverlust, Schluckbeschwerden, Erbrechen, Blut im Stuhl oder Beschwerden, die über Wochen anhalten, solltest du dich untersuchen lassen.
Quellen
- gesundheitsinformation.de: Reizmagen (funktionelle Dyspepsie)
- Verbraucherzentrale: Fencheltee, gesund oder gefährlich?
- EMA: Carvi fructus (Kümmelfrüchte)
- EMA: Anisi fructus (Anisfrüchte)
- EMA: Matricariae flos (Kamillenblüten)
- EMA: Menthae piperitae folium (Pfefferminzblätter)
- EMA: Melissae folium (Melissenblätter)
- EMA: Cynarae folium (Artischockenblätter)
- EMA: Zingiberis rhizoma (Ingwerwurzelstock)
- EMA: Absinthii herba (Wermutkraut)
Titelbildquelle: Photo by Massimo Rinaldi on Unsplash