Lohnt sich der zweite Tee-Aufguss?

Inhalt dieses Beitrags
- Ist der zweite Aufguss mit jedem Tee möglich?
- Bis zu 10 Aufgüsse mit der chinesischen Teezeremonie Gong Fu Cha
- Der zweite Aufguss bei verschiedenen Teesorten
- Wassertemperatur und Aufgüsse im Überblick
- Kaltaufguss: ein sanfter zweiter Weg
- Wasser, Kanne und Zubehör
- Der Weg zur ruhigen Tasse
- Wie viel Koffein steckt im zweiten Aufguss?
- Häufige Fragen
Ja, bei vielen losen Tees lohnt sich der zweite Aufguss. Besonders gut eignen sich hochwertige Grün-, Oolong- und Pu-Erh-Tees sowie viele Schwarztees. Kräutertees und Teebeutel nimmst du besser nur einmal, Ausnahme ist Mate in der traditionellen Zubereitung.
Bei einigen Teesorten fühlt es sich wie Verschwendung an, die Blätter nach dem ersten Aufguss wegzuwerfen. Ein zweiter oder dritter Aufguss kann sich lohnen, und jeder zeigt eine neue Seite des Tees. Er schmeckt nur anders: oft milder, manchmal blumiger.
In China hat das mehrfache Aufgießen einen eigenen Namen. Die Zubereitung Gong Fu Cha erlaubt teilweise bis zu 10 Aufgüsse. Das ist keine Methode für zwischendurch. Du brauchst Zeit, um zur Ruhe zu kommen und den Tee in seiner Vielfalt zu genießen.
Ist der zweite Aufguss mit jedem Tee möglich?
Nicht mit jedem Tee lohnt sich ein zweiter Aufguss. Früchte- und Kräutertees werden normalerweise nicht mehrfach aufgegossen, da sie nach dem ersten Mal meist schon viel Aroma abgegeben haben. Eine Ausnahme ist Mate-Tee in traditioneller Zubereitung. Mehr dazu liest du im Beitrag über die traditionelle Zubereitung von Mate Tee.
Bei Teebeuteln ist ein zweiter Aufguss meist nicht sinnvoll. Die Blätter sind in der Regel stark zerkleinert und geben ihr Aroma schon beim ersten Aufguss weitgehend ab. Das Ergebnis schmeckt dann oft dünn.
Bis zu 10 Aufgüsse mit der chinesischen Teezeremonie Gong Fu Cha
Gong Fu Cha ist eine Teezubereitung aus China und wird heute von Teeliebhabern auf der ganzen Welt praktiziert. Der Name bedeutet ungefähr „Teezubereitung mit großer Sorgfalt". Es geht darum, den Moment zu genießen und zur Ruhe zu kommen. Mehr zum Begriff findest du im Lexikon unter Gong Fu Style.
Du brauchst dafür einen hochwertigen Tee, eine kleine Kanne (zum Beispiel aus Yixing-Ton) oder eine Gaiwan, also eine Deckelschale mit Untertasse, und kleine henkellose Schalen.
Zuerst spülst du Kanne und Schalen mit heißem Wasser, so bleibt der Tee länger warm. Dann gibst du die Teeblätter in die Kanne und riechst kurz daran. Wassermenge und Ziehzeit hängen von Sorte und Menge ab. Als grober Richtwert gelten:
15 bis 30 Sekunden für den ersten Aufguss, danach jeweils etwa 5 Sekunden länger.
Je nach Teesorte sind so bis zu 10 Aufgüsse möglich, manche Tees geben noch mehr her. Die Menge an Teeblättern ist bei dieser Methode höher als bei der Zubereitung in der großen Kanne, dafür ist die Ziehzeit kurz.
Der zweite Aufguss bei verschiedenen Teesorten
Besonders geeignet sind Schwarz-, Grün-, Oolong- und Pu-Erh-Tee. Probiere mit deinem Lieblingstee aus, wie oft er sich aufgießen lässt. Wichtig: Gieße nicht mit dem Wasser vom ersten Mal auf, sondern frisch erhitzt, und seihe jeden Aufguss vollständig ab, damit die Blätter nicht weiter ziehen.
Grün Tee

Vor allem japanischer Grüntee eignet sich gut für mehrere Aufgüsse. Gieße ihn nicht mit kochendem Wasser auf, rund 70 bis 80 °C sind eine gängige Orientierung. Beim zweiten Aufguss verkürzt du die Ziehzeit üblicherweise, sie kann etwa die Hälfte betragen, weil sich die Blätter bereits geöffnet haben und schneller Aroma abgeben. Probiere aus, was dir schmeckt.
Schwarz Tee

Viele schwarze Tees vertragen einen zweiten Aufguss und schmecken dann milder und leichter. Er verliert aber schneller an Aroma als Oolong oder Pu-Erh, deshalb sind meist nur zwei bis drei Aufgüsse sinnvoll. Bei feinen, zerkleinerten Blättern lohnt sich der zweite Aufguss selten.
Oolong Tee

Milky Oolong, Jade Oolong und Ginseng Oolong werden häufig für mehrere Aufgüsse empfohlen. Oolong Tee gilt als besonders ergiebig. Die gerollten Blätter öffnen sich mit jedem Aufguss weiter und geben oft einen milderen, blumigeren Geschmack frei.
Pu-Erh-Tee

Der Pu-Erh-Tee hält viele Aufgüsse aus und schmeckt kräftig und erdig. Sheng (roher Pu-Erh) und Shou (gereifter Pu-Erh) werden meist mit sehr heißem Wasser aufgegossen, Shou eher nahe am Siedepunkt, junger Sheng gern etwas darunter. Pu-Erh wird traditionell oft als gepresster Ziegeltee angeboten.
Wassertemperatur und Aufgüsse im Überblick
Die folgende Tabelle gibt dir eine grobe Orientierung. Jede Sorte und jeder Hersteller sind etwas anders. Lies auch die Angaben auf der Packung und probiere aus.
| Sorte | Wassertemperatur | Aufgüsse |
| Grüner Tee (japanisch) | ca. 70 bis 80 °C | meist 2 bis 3 |
| Weißer Tee | ca. 75 bis 90 °C | oft 2 bis 3 und mehr |
| Oolong | ca. 85 bis 95 °C | häufig 4 und mehr |
| Schwarzer Tee | ca. 95 bis 100 °C | meist 2 bis 3 |
| Pu-Erh | ca. 90 bis 100 °C | viele |
Wie eine Faustregel gilt: Je stärker die Blätter gerollt oder gepresst sind, desto mehr Aufgüsse sind möglich. Die Blätter öffnen sich langsam, jeder Durchgang schmeckt etwas anders. Der erste Aufguss ist oft frisch und lebhaft, die späteren sind weicher und runder.
Kaltaufguss: ein sanfter zweiter Weg
Wenn du die Blätter nach heißen Aufgüssen noch nicht wegwerfen magst, kannst du sie mit kaltem Wasser ansetzen. Für Kräuter- und Früchtetee gilt das nicht: Sie brühst du zuerst heiß auf und lässt sie dann abkühlen. Gib sie in eine Karaffe, füll sie mit kaltem Wasser auf und stelle sie mehrere Stunden in den Kühlschrank, am besten über Nacht. Das Ergebnis schmeckt leicht und mild. Auch frische Blätter eignen sich für einen Kaltaufguss. Dann nimmst du etwas mehr Tee als für den heißen Aufguss und lässt ihn länger ziehen. Der Tee wird in der Regel weniger herb, da sich bei kaltem Wasser weniger Gerbstoffe lösen. Trinke ihn innerhalb von ein bis zwei Tagen und bewahre ihn im Kühlschrank auf.
Reste feuchter Blätter hältst du bis zum nächsten Tag abgedeckt und kühl. Riechen sie muffig, wirf sie weg. Ausgezogene Blätter eignen sich außerdem für den Kompost.
Wasser, Kanne und Zubehör
Das Wasser prägt den Geschmack stärker, als man denkt. Sehr hartes Wasser kann den Tee flach schmecken lassen und einen Film auf der Oberfläche bilden. Frisches, weiches bis mittelhartes Wasser ist meist besser geeignet. Ein Wasserfilter ist eine Option, wenn du in einer kalkreichen Gegend wohnst. Koche das Wasser für jeden Aufguss frisch.
Als Zubehör sind drei Dinge praktisch: eine Gaiwan oder eine kleine Kanne, ein feines Teesieb und ein Krug zum Abgießen. Einen Wasserkocher mit Temperatureinstellung brauchst du nicht zwingend, ein Thermometer oder Abkühlen nach dem Aufkochen tut es auch. Lass kochendes Wasser für grünen Tee einige Minuten abkühlen, bevor du es über die Blätter gießt.
Der Weg zur ruhigen Tasse
Mehrfach aufzugießen ist auch eine Frage der Haltung. Du schaust den Blättern beim Öffnen zu, riechst zwischen den Aufgüssen und nimmst dir für jeden Durchgang Zeit. Genau dieses Tempo macht die Teepause aus. Mehr dazu im Beitrag zum Tee-Ritual, zur Teezeremonie und zu Gong Fu Cha. Wenn du neu einsteigst, beginne mit einem Oolong oder einem japanischen Grüntee und beobachte, wie sich der Geschmack von Aufguss zu Aufguss ändert.
Wie viel Koffein steckt im zweiten Aufguss?
Koffein löst sich zu einem großen Teil schon im ersten Aufguss. Wie viel genau im zweiten steckt, hängt von Sorte, Blattgröße und Ziehzeit ab. Eine verlässliche Faustzahl kann ich dir dafür nicht nennen. Wer abends koffeinarm trinken will, sollte lieber auf Kräutertee oder koffeinfreie Sorten umsteigen, statt sich auf den zweiten Aufguss zu verlassen.
Häufige Fragen
Wie oft kann man Tee aufgießen?
Das hängt von der Sorte ab. Grüntee zwei- bis dreimal, Schwarztee meist zweimal, Oolong und Pu-Erh deutlich öfter, bei Gong Fu Cha bis zu 10 Mal.
Lohnt sich ein zweiter Aufguss bei grünem Tee?
Ja, bei hochwertigem losem Grüntee. Verkürze die Ziehzeit und gieße nicht mit sprudelnd kochendem Wasser auf.
Kann man Teebeutel zweimal aufgießen?
Das ist möglich, schmeckt aber meist dünn. Ein zweiter Aufguss lohnt sich bei Teebeuteln selten.
Kann man Kräutertee ein zweites Mal aufgießen?
Meist nicht. Die Aromen sind nach dem ersten Aufguss weitgehend gelöst. Mate ist die Ausnahme.
Titelbildquelle: Photo by 五玄土 ORIENTO on Unsplash