Schlaftee: Welche Kräuter passen, wie du mischst und wann er sich lohnt
Was in einem Schlaftee steckt, wie du ihn richtig zubereitest und selbst mischst und wo seine Grenzen liegen.

Inhalt dieses Beitrags
- Was steckt in einem Schlaftee?
- Was kann ein Schlaftee sein, und was nicht?
- Schlaftee richtig zubereiten
- Wann trinkst du Schlaftee am besten?
- Schlaftee selbst mischen: drei Vorschläge
- Fertigen Schlaftee kaufen: worauf achten?
- Teebeutel oder lose Kräuter?
- Wer sollte vorsichtig sein?
- Ein Abend mit Schlaftee: ein Beispiel
- Häufige Fehler beim Schlaftee
- Schlaftee, Beruhigungstee oder Abendtee: Was passt wann?
- Was zusätzlich zum Abend gehört
- Dein nächster kleiner Schritt
Schlaftee ist kein geschützter Begriff, sondern ein Sammelname: Gemeint sind Kräutertees, die abends getrunken werden und traditionell mit Ruhe und Einschlafen in Verbindung stehen. Meist stecken Baldrian, Hopfen, Passionsblume, Melisse, Lavendel oder Kamille drin, einzeln oder gemischt. Hier erfährst du, was die Kräuter ausmachen, wie du sie zubereitest und mischst und wann ein Schlaftee sinnvoll ist. Den Überblick über alle Abendtees findest du im Beitrag Tee zum Einschlafen.
Ein Schlaftee ist eine koffeinfreie Kräutermischung für den Abend. Für Baldrian, Hopfen, Passionsblume und Melisse gibt es Monografien der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zur traditionellen Anwendung. Das heißt: langjährige Verwendung, aber kein Wirksamkeitsnachweis wie bei einem Medikament. Trink ihn 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafen und such ärztlichen Rat, wenn Probleme länger als zwei Wochen anhalten.
Was steckt in einem Schlaftee?
Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich, denn „Schlaftee“ auf der Packung sagt wenig über den Inhalt. Die folgenden Kräuter tauchen am häufigsten auf. Die Einstufungen stammen aus den Monographien des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel der EMA (HMPC), soweit angegeben.
| Kraut | Geschmack | EMA/HMPC | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Baldrianwurzel | Erdig, intensiv, herb | Monografie zur traditionellen Anwendung | Nicht unter 12 Jahren, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit; nach der Anwendung nicht Auto fahren |
| Hopfenzapfen | Würzig-bitter | Monografie zur traditionellen Anwendung | Ab 12 Jahren |
| Passionsblumenkraut | Mild, grasig, herb | Monografie zur traditionellen Anwendung | Ab 12 Jahren; Schwangere vorsorglich meiden |
| Melissenblätter | Zitronig, frisch | Monografie zur traditionellen Anwendung | Ab 12 Jahren |
| Lavendelblüten | Blumig, würzig | Traditionell als Abendkraut verwendet | In Schwangerschaft und Stillzeit vorher nachfragen |
| Kamillenblüten | Mild, blumig | Eigene Monografie, abends als Ritual beliebt | Nicht bei Korbblütler-Allergie |
Die EMA-Einstufung „traditionelle Anwendung“ setzt voraus, dass ein Kraut seit mindestens 30 Jahren verwendet wird, davon 15 in der EU. Klinische Studien dazu gibt es oft nur begrenzt. Für dich bedeutet das: Es ist eine Einordnung nach Erfahrung, kein Wirkbeleg und keine Therapie.
Was kann ein Schlaftee sein, und was nicht?
Der ehrliche Teil zuerst: Ein Schlaftee ist kein Schlafmittel. Er kann Teil des Abendrituals sein, weil er zwei Dinge verbindet. Die Kräuter werden seit langem traditionell am Abend verwendet, und die Zubereitung markiert für viele, dass der Tag zu Ende geht. Manche schätzen schon das Ritual als angenehmen Abschluss.
Nicht erwarten solltest du, dass ein Tee ein Gedankenkarussell stoppt, eine Schlafstörung behandelt oder Medikamente ersetzt. Schlafen ist ein Zusammenspiel aus Tagesablauf, Licht, Stress, Körper und Gewohnheiten. Wie du den Abend drumherum gestaltest, erklärt der Beitrag zum Einschlafritual für Erwachsene.
Schlaftee richtig zubereiten
Die Angaben sind Richtwerte und hängen vom Kraut ab. Wenn auf deiner Packung eine Zubereitung steht, hat die Vorrang.
- Abmessen. 1 bis 2 Teelöffel Mischung pro Tasse (150 bis 250 ml). Bei reiner Baldrianwurzel rechnet man mit etwa 2 bis 3 Gramm.
- Aufgießen. Frisch gekochtes, sprudelndes Wasser über die Kräuter geben. Anders als bei grünem Tee darf es richtig heiß sein.
- Abdecken. Ein Teller auf der Tasse verhindert, dass ätherische Öle mit dem Dampf entweichen.
- Ziehen lassen. Etwa 10 Minuten. Baldrianwurzel verträgt 10 bis 15 Minuten.
- Abseihen und warten. Etwas abkühlen lassen und in Ruhe trinken, ohne Handy.
Stell Tasse, Sieb und Kräuter schon am Nachmittag bereit. Wenn abends nur noch das Wasser fehlt, wird aus der guten Absicht eine Gewohnheit.
Wann trinkst du Schlaftee am besten?
Üblich ist eine Tasse etwa 30 bis 60 Minuten vor dem Zubettgehen. So hat der Tee Zeit, getrunken zu werden, und du musst nachts nicht aufs WC. Mehr als eine Tasse am Abend ist selten nötig. Wer sehr viel trinkt, riskiert eher unruhigen Schlaf.
Für Baldrian, Hopfen, Passionsblume und Melisse nennt die EMA übereinstimmend den Hinweis, ärztlichen Rat einzuholen, wenn die Beschwerden länger als zwei Wochen anhalten oder sich verschlimmern. Das gilt auch dann, wenn der Tee gut schmeckt und dir das Ritual gefällt.
Schlaftee selbst mischen: drei Vorschläge
Fertige Mischungen sind bequem. Selbst gemischt weißt du genau, was drin ist, und kannst den Geschmack steuern. Kaufe die Kräuter einzeln in der Apotheke oder im Fachhandel in Teequalität und beginne mit kleinen Mengen. Die Rezepte sind Orientierung für eine große Tasse (250 ml).
Mild
½ TL Melisse, ½ TL Kamille, ½ TL Lindenblüten. Sanft, blumig, leicht süßlich. Ein guter Einstieg ohne Bitterkeit.
Kräftig
½ TL Hopfen, ½ TL Melisse, ½ TL Pfefferminze. Würzig und frisch, mit leichter Bitterkeit. Bei Sodbrennen die Minze weglassen.
Duftig
½ TL Lavendel, ½ TL Passionsblume, ½ TL Kamille. Blumig und krautig. Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit ohne Rücksprache.
Mit Baldrian
¼ TL Baldrianwurzel, ½ TL Pfefferminze, ½ TL Melisse. Der Baldriangeruch wird abgemildert. Nur für Erwachsene und nicht in Schwangerschaft und Stillzeit.
Mische nicht zu viele Kräuter auf einmal. Vertragen sich zwei Sorten gut, kannst du eine dritte dazunehmen. Wenn du eine Reaktion bemerkst, etwa Unwohlsein oder Hautausschlag, verzichte auf die Mischung und sprich mit der Apotheke.

Fertigen Schlaftee kaufen: worauf achten?
Im Supermarkt, in der Apotheke und im Fachhandel findest du eine große Auswahl. Eine Zutatenliste, in der die Kräuter einzeln genannt sind, ist aussagekräftiger als ein Markenname. Achte außerdem auf diese Punkte:
- Welche Kräuter sind enthalten, in welcher Reihenfolge? Die Zutat mit dem größten Anteil steht vorn.
- Gibt es Aromen oder Zusatzstoffe? Naturaromen sind erlaubt, du solltest aber wissen, dass sie vorhanden sind.
- Ist die Mischung für Kinder, Schwangere oder Stillende ausgewiesen? Im Zweifel nicht ohne Rücksprache.
- Gibt es Gebrauchsanweisung und Mengenangaben? Seriöse Hersteller nennen beides.
Wer mehrere Produkte vergleichen will, findet Kriterien und eine Checkliste im Beitrag Bester Schlaftee.
Teebeutel oder lose Kräuter?
Beides funktioniert, mit kleinen Unterschieden. Teebeutel sind schnell und dosiert, die Kräuter darin sind aber oft fein zerkleinert und geben schnell Aroma ab. Lose Kräuter bieten mehr Auswahl und Frische, brauchen ein Sieb und etwas mehr Zeit. Der Geruch verrät viel: Frische Kräuter duften deutlich, alte Ware riecht muffig oder gar nicht.
- Beutel: praktisch für unterwegs und für den Einstieg, Ziehzeit steht auf der Packung
- Lose Ware: flexibel zum Mischen, besser für Kräuter wie Baldrianwurzel oder Hopfenzapfen
- Lagerung: luftdicht, dunkel und trocken, damit Aroma und Qualität länger erhalten bleiben
Falls du wissen willst, wie ein Sieb aussehen kann, schau ins Teelexikon zum Teesieb.
Wer sollte vorsichtig sein?
Kräutertee erscheint harmlos, aber auch Kräuter haben Grenzen. Ein Blick auf die Hinweise ist besonders wichtig bei:
- Schwangerschaft und Stillzeit: Für Baldrian wird die Anwendung nicht empfohlen. Bei Hopfen, Passionsblume und Lavendel reicht die Datenlage nicht für eine klare Aussage, deshalb vorab ärztlich oder in der Apotheke klären.
- Kindern und Jugendlichen unter 12 Jahren: Die EMA-Einstufungen gelten für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren.
- Medikamenteneinnahme: Vor allem bei Medikamenten, die ärztlich wegen Schlaf, Stimmung oder Nerven verordnet wurden, sind Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen. Kläre das in der Apotheke.
- Allergien: Wer auf Korbblütler (Kamille, Arnika, Beifuß) reagiert, meidet Kamille.
- Sodbrennen: Pfefferminze kann Beschwerden verstärken.
Ein Schlaftee ersetzt keine Behandlung. Wenn du länger als zwei Wochen schlecht schläfst, tagsüber stark erschöpft bist, Atemaussetzer oder unruhige Beine bemerkst oder dich niedergeschlagen fühlst, gehört das in die Hausarztpraxis. Setze verordnete Medikamente nie eigenmächtig ab. Johanniskraut gehört nicht in selbst gemischten Schlaftee, weil es beeinflussen kann, wie der Körper einige Arzneimittel verarbeitet, zum Beispiel die Antibabypille. Bei Krisengedanken erreichst du die Telefonseelsorge kostenlos unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
Ein Abend mit Schlaftee: ein Beispiel
Stell dir vor, du willst um 22:30 Uhr im Bett sein. So könnte der Abend aussehen. Es ist ein Vorschlag, den du an dein Leben anpasst, kein Plan, an den du dich halten musst.
- 21:15 Letzte Mails und Bildschirme weglegen, Licht dimmen
- 21:30 Wasser aufsetzen, Kräuter abmessen und aufgießen
- 21:40 Tee abseihen, mit der Tasse aufs Sofa oder ans Fenster setzen
- 22:00 Zähne putzen, Schlafzimmer lüften
- 22:20 Lesen oder zwei Sätze zum Tag aufschreiben
- 22:30 Licht aus
Häufige Fehler beim Schlaftee
Manche Enttäuschung hat einfache Ursachen. Diese Fehler passieren oft:
- Zu spät getrunken. Wer den Tee direkt vor dem Licht-aus trinkt, wacht eher nachts auf, um zur Toilette zu gehen.
- Zu kurz gezogen. Weniger als fünf Minuten ergeben meist ein blasses Getränk. Setz lieber einen Timer.
- Zu viel auf einmal. Mehrere Tassen oder eine zu große Menge Kraut bringen nichts mehr, sondern können Magen und Geschmack belasten.
- Kaffee, Alkohol und Bildschirm nebenbei. Der Tee kann diese Faktoren nicht ausgleichen.
- Zu hohe Erwartungen. Ein Tee ist ein Baustein. Gib dem Ritual ein paar Tage, bevor du ein Urteil fällst.
Schlaftee, Beruhigungstee oder Abendtee: Was passt wann?
Die Begriffe überschneiden sich, und viele Packungen mischen sie. Eine grobe Faustregel gibt Orientierung. Der Abendtee ist ein Oberbegriff für alle koffeinfreien Tees am Abend, du findest Ideen dazu im Beitrag Abendtee. Der Schlaftee ist stärker aufs Einschlafen ausgerichtet. Der Beruhigungstee ist der Produktbegriff für Mischungen, die du auch tagsüber trinken kannst. Wenn du dich fragst, welche Kräuter in welcher Situation üblich sind, lohnt ein Blick in den Beitrag Beruhigungstee: Kräuter und Mischungen.
Was zusätzlich zum Abend gehört
Wer nur den Tee ändert und sonst alles gleich lässt, merkt oft wenig. Schlafhygiene bedeutet, den Tag und die Stunde vor dem Bett so zu gestalten, dass Schlaf leichter wird. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) empfiehlt unter anderem, in den Stunden vor dem Zubettgehen auf koffeinhaltige Getränke zu verzichten und regelmäßige Zeiten einzuhalten.
- Abends kein Kaffee, kein Schwarz- oder Grüntee, kein Matcha und kein Mate
- Alkohol als vermeintlichen Einschlafhelfer meiden, er stört den Schlaf später in der Nacht
- Licht dämpfen, Bildschirme eine Stunde vor dem Bett weglegen
- Kühles, dunkles, gelüftetes Schlafzimmer
- Eine feste Abfolge von kleinen Handlungen, an der dein Körper erkennt, dass Schlafenszeit ist
Wenn der Kopf nachts nicht stillsteht, reichen Kräuter allein oft nicht. Praktische Ansätze findest du im Beitrag zum Gedankenkarussell nachts. Für Mischungen, die du auch tagsüber trinken kannst, passt der Beitrag zum Beruhigungstee.
Dein nächster kleiner Schritt
Such dir eine Mischung aus der Liste oben aus, die dir beim Lesen am besten gefallen hat, und probiere sie drei Abende lang. Trink die Tasse ohne Handy, bei gedimmtem Licht, und schreib am Morgen kurz auf, wie der Abend war. Mehr braucht es für den Anfang nicht.
Häufige Fragen
Was ist ein Schlaftee?
Schlaftee ist ein Sammelbegriff für koffeinfreie Kräuterteemischungen, die abends getrunken werden. Häufige Zutaten sind Baldrian, Hopfen, Passionsblume, Melisse, Lavendel und Kamille. Es ist kein Arzneimittel und kein geschützter Begriff.
Wie lange vor dem Schlafen sollte man Schlaftee trinken?
Üblich sind etwa 30 bis 60 Minuten vor dem Zubettgehen. Eine Tasse reicht in der Regel, damit du nachts nicht zur Toilette musst.
Kann man Schlaftee jeden Abend trinken?
Für Baldrian, Hopfen, Passionsblume und Melisse empfehlen die EMA-Monografien, ärztlichen Rat einzuholen, wenn die Beschwerden länger als zwei Wochen anhalten. Wer dauerhaft schlecht schläft, sollte die Ursache abklären lassen, statt nur mehr Tee zu trinken.
Darf ich Schlaftee in der Schwangerschaft trinken?
Für Baldrian wird die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen, bei anderen Kräutern fehlen Daten. Kläre jede Mischung vorher ärztlich oder in der Apotheke. Mehr im Beitrag Tee in der Schwangerschaft.
Was ist der Unterschied zwischen Schlaftee und Beruhigungstee?
Die Mischungen überschneiden sich stark. Schlaftee ist auf den Abend und das Einschlafen ausgerichtet, Beruhigungstee ist der Begriff für Mischungen, die auch tagsüber getrunken werden. Mehr dazu im Beitrag Beruhigungstee.
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