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Achtsamkeitsübungen für Gruppen: 12 Übungen für Team, Seminar und Familie

12 Übungen zum Vorlesen, mit Dauer, Gruppengröße und den Regeln, die dir als Leitung den Rücken freihalten.

Von Denis Treter · Veröffentlicht am 08.10.2026 · Aktualisiert am 08.10.2026 · 8 Min. Lesezeit
Ein heller Seminarraum mit Stuhlkreis, in der Mitte ein Holztisch mit Teekanne und Keramiktassen
Inhalt dieses Beitrags
  1. Was du als Leitung vorher wissen solltest
  2. Die 12 Achtsamkeitsübungen für Gruppen
  3. Welche Übung für welche Gruppe?
  4. So baust du eine Einheit auf
  5. Was tun, wenn es in der Gruppe holpert?
  6. Varianten für Familie und gemischte Runden
  7. Austausch nach der Übung: kurze Fragen, die tragen
  8. Dein nächster kleiner Schritt

Eine Gruppe bringt andere Bedingungen mit als eine Einzelübung zu Hause: unterschiedliche Erfahrung, unterschiedliche Tagesform, manchmal wenig Lust. Gute Achtsamkeitsübungen für Gruppen sind deshalb kurz, klar angeleitet und freiwillig. Hier findest du zwölf Übungen für Team, Seminar, Klasse oder Familienrunde, jeweils mit Dauer, passender Gruppengröße, Material und einem Anleitungstext zum Vorlesen.

Achtsamkeitsübungen für Gruppen funktionieren am besten, wenn sie 2 bis 10 Minuten dauern, einladend formuliert sind und jede Person jederzeit aussteigen darf. Beginne mit einfachen Sinnesübungen wie Atmen, Hören oder Gehen und bleib bei Partner- und Redeübungen freiwillig. Die zwölf Übungen unten eignen sich für 4 bis 30 Personen und brauchen kaum Material.

12Übungen
2–10 Min.pro Übung
4–30Personen

Was du als Leitung vorher wissen solltest

Die Übung selbst ist selten das Problem. Schwieriger ist das Drumherum: Manche sitzen ungern still, andere finden Augenschließen unangenehm, wieder andere sind skeptisch. Mit ein paar Grundregeln nimmst du viel Druck raus.

  • Freiwilligkeit sagen, nicht nur denken. Formuliere „Du kannst …“ statt „Schließt die Augen“. Wer lieber zuschaut, darf das.
  • Augen offen ist gleichwertig. Biete an, den Blick auf einen Punkt am Boden zu richten.
  • Aussteigen ist erlaubt. Sag am Anfang: „Wenn eine Übung sich unangenehm anfühlt, hör auf, öffne die Augen oder steh kurz auf.“
  • Nichts erzwingen, nichts auswerten. Es gibt keine richtige Erfahrung und keine Pflicht, etwas zu teilen.
  • Kurz beginnen. Zwei Minuten Stille erscheinen in einer Gruppe länger als allein.

Achtsamkeit kann bei manchen Menschen Unruhe, Angst oder belastende Erinnerungen auslösen. In Studien berichteten rund 8 Prozent der Teilnehmenden von negativen Effekten (NCCIH). Bei Gruppen mit Menschen, die Schweres erlebt haben, sind längere Stille, Body Scans und geschlossene Augen nicht angebracht. Plane dann kurze Übungen mit offenen Augen und Außenfokus (Hören, Gehen, Gegenstand). Eine Gruppenleitung ersetzt keine Therapie. Wer nach einer Übung merklich aufgewühlt ist, bekommt Zeit und, falls nötig, den Hinweis auf professionelle Hilfe.

Die 12 Achtsamkeitsübungen für Gruppen

Die Reihenfolge ist als Seminarbogen gedacht: erst ankommen, dann Sinne, dann Bewegung, dann Kontakt, dann Abschluss. Du kannst aber jede Übung einzeln nutzen.

1. Ankommen mit drei Atemzügen

Dauer: 2 Minuten. Gruppe: beliebig. Material: keines.

Anleitung: „Setz dich so hin, dass es bequem ist. Du kannst die Augen schließen oder auf einen Punkt vor dir schauen. Atme dreimal bewusst aus, länger als du einatmest. Spür, wo dein Körper Kontakt zum Stuhl hat. Wenn du bereit bist, schau in die Runde.“

2. Namensrunde mit einem Sinneseindruck

Dauer: 5 bis 10 Minuten. Gruppe: 6 bis 20. Material: keines.

Anleitung: Jede Person nennt ihren Namen und einen Satz dazu, was sie gerade hört, riecht oder spürt: „Ich bin Mara, und ich höre den Regen.“ Wer nichts sagen möchte, sagt „Ich bin Mara, ich passe“. Das erleichtert Teams, die sich kennen, oft das Ankommen.

3. Geräusche-Landkarte

Dauer: 3 Minuten. Gruppe: beliebig. Material: keines.

Anleitung: „Hör eine Minute lang einfach hin. Erst die Geräusche im Raum, dann draußen, dann so weit weg wie möglich. Du musst nichts benennen. Wenn Gedanken kommen, geh zurück zum nächsten Geräusch.“ Danach optional eine Runde: Was war das fernste Geräusch?

4. Fünf-Finger-Atmen

Dauer: 3 Minuten. Gruppe: beliebig. Material: keines.

Anleitung: „Halte eine Hand vor dich. Fahr mit dem Zeigefinger der anderen Hand die Außenseite des Daumens nach oben und atme ein, auf der anderen Seite nach unten und atme aus. So wanderst du über alle fünf Finger und zurück.“ Gut für unruhige Gruppen, weil die Hände etwas zu tun haben.

5. Gegenstand in der Hand

Dauer: 5 Minuten. Gruppe: 4 bis 25. Material: ein kleiner Gegenstand pro Person, zum Beispiel ein Kiesel, eine Kastanie oder eine Walnuss.

Anleitung: „Betrachte deinen Gegenstand, als hättest du ihn noch nie gesehen. Fahr mit dem Finger über Kanten und Flächen. Wie schwer ist er, wie warm? Wenn du abschweifst, kehr zu einer Stelle am Gegenstand zurück.“

6. Achtsames Gehen im Raum

Dauer: 5 Minuten. Gruppe: 5 bis 30, je nach Platz. Material: freie Fläche.

Anleitung: „Geh im Raum, ganz langsam, ohne Ziel. Spür, wie die Ferse aufsetzt und der Fuß abrollt. Wenn du jemandem begegnest, nimm es wahr und geh weiter. Sprechen ist nicht nötig.“ Eine Sitzgelegenheit für Personen, die lieber stehen bleiben, gehört dazu.

7. Achtsames Dehnen im Stehen

Dauer: 5 Minuten. Gruppe: beliebig. Material: etwas Platz.

Anleitung: „Heb beim Einatmen langsam die Arme, beim Ausatmen lass sie sinken. Dann die Schultern kreisen, den Kopf sanft zur Seite neigen. Geh nur so weit, wie es sich angenehm anfühlt. Schmerz ist kein Teil der Übung.“ Wer Einschränkungen hat, macht die Bewegung kleiner oder im Sitzen.

8. Kurzer Body Scan im Sitzen

Dauer: 5 bis 8 Minuten. Gruppe: beliebig. Material: Stühle.

Anleitung: „Wandere mit der Aufmerksamkeit von den Füßen über Beine, Rücken und Hände bis zum Gesicht. Bei jeder Stelle nimmst du nur wahr, wie sie sich gerade anfühlt. Du musst nichts verändern.“ Bei Gruppen mit belasteten Teilnehmenden lieber weglassen oder durch Übung 5 ersetzen. Der Body Scan gehört zum MBSR-Programm und setzt etwas Vertrauen in die Gruppe voraus.

9. Zuhören in Paaren

Dauer: 10 Minuten. Gruppe: gerade Zahl, ab 4. Material: Uhr oder Timer.

Anleitung: „Eine Person spricht zwei Minuten zu einer Frage, etwa: Was war heute ein kleiner guter Moment? Die andere hört nur zu, ohne Nicken, Nachfragen oder Rat. Dann wechselt ihr.“ Wähle eine leichte Frage. Es darf niemand gezwungen werden, Persönliches zu teilen.

10. Tee-Übung für Gruppen

Dauer: 10 bis 15 Minuten. Gruppe: 4 bis 20. Material: Tasse pro Person, Kanne mit heißem, koffeinfreiem Tee (zum Beispiel Kamille, Pfefferminze oder Rooibos).

Anleitung: Schenk allen vorab ein, damit niemand auf das Wasser wartet. Dann liest du langsam vor: „Schau in deine Tasse. Welche Farbe hat der Tee? Führ die Tasse zur Nase und atme ein. Halte sie mit beiden Händen. Nimm einen kleinen Schluck, behalt ihn kurz im Mund und stell die Tasse ab.“ Lass zwischen den Schritten 20 bis 30 Sekunden Pause. Gesprochen wird erst am Ende. Die vollständige Anleitung mit sieben Schritten steht in der Tee-Meditation. Frag vorher nach Allergien, besonders bei Kamille (Korbblütler).

11. Dankbarkeitsrunde mit einem Satz

Dauer: 5 Minuten. Gruppe: 4 bis 15. Material: keines.

Anleitung: „Denk an etwas Kleines, das heute gut war. Wenn du magst, sag es in einem Satz. Du kannst auch passen.“ Mit großen Gruppen in Dreierrunden arbeiten, sonst wird es lang.

12. Stiller Abschluss mit einem Wort

Dauer: 3 Minuten. Gruppe: beliebig. Material: keines.

Anleitung: „Nimm einen letzten bewussten Atemzug. Such ein Wort dafür, wie du gerade da bist. Sag es laut oder behalt es für dich. Dann öffne die Augen und streck dich, wie du magst.“ So endet die Einheit mit einem klaren Punkt, statt auszufransen.

Mehrere schlichte Keramiktassen mit Tee auf einem langen Holztisch, Hände schenken aus einer Kanne ein
Vorbereitet eingeschenkter Tee sorgt dafür, dass die Gruppe nicht aufs Wasser wartet.

Welche Übung für welche Gruppe?

SituationGut geeignetEher vermeiden
Team-Meeting, 5 Minuten1, 3, 48, 9
Seminar oder Workshop2, 5, 6, 10, 12lange Stille am Stück
Schulklasse oder Jugendgruppe3, 4, 5, 78, 11 mit Pflichtbeitrag
Familienrunde1, 3, 5, 10 mit Saft oder Tee9 mit schwierigen Themen
Gemischte Gruppe, Vorerfahrung unklar3, 5, 6 mit offenen Augen8 und Übungen mit Augenschließen

So baust du eine Einheit auf

Für eine halbe Stunde bewährt sich ein einfacher Bogen. Die Zeiten sind Richtwerte.

  • 0–3 Min. Ankommen (Übung 1), Spielregeln nennen
  • 3–8 Min. Eine Sinnesübung (3 oder 5)
  • 8–18 Min. Hauptübung, zum Beispiel Tee (10) oder Gehen (6)
  • 18–25 Min. Optional Austausch in Paaren oder Dreiergruppen
  • 25–30 Min. Abschluss (12), Raum für Fragen

Sprich langsam, mit Pausen, und lies die Anleitung vorher einmal laut. Was beim Lesen im Kopf flüssig klingt, wirkt gesprochen oft zu schnell.

Wer die Übungen zum Auslegen oder Verteilen braucht, findet eine druckbare Zusammenstellung unter Achtsamkeitsübungen als PDF. Für Menschen, die nur wenig Zeit haben, passen die kurzen Achtsamkeitsübungen besser als die längeren Formate.

Was tun, wenn es in der Gruppe holpert?

Eine Übung kann kippen, ohne dass du etwas falsch gemacht hast. Diese Situationen kommen oft vor, und mit wenig Aufwand kannst du sie auffangen.

  • Jemand kichert oder macht Witze. Das ist häufig Nervosität. Lächle, nimm die Übung kurz raus („Das darf sich seltsam anfühlen“) und mach weiter.
  • Jemand schläft fast ein. Dann passen aufrechtes Sitzen, offene Augen oder eine Bewegungsübung wie 6 oder 7.
  • Jemand verlässt den Raum. Lass es zu, ohne Nachfragen vor der Gruppe. Ein kurzes Gespräch danach reicht.
  • Niemand sagt etwas im Austausch. Auch gut. Frag nach einem Wort statt nach einem Satz oder lass Paare sprechen.
  • Die Gruppe ist skeptisch. Starte mit der Tee-Übung oder dem Gegenstand in der Hand. Beides erscheint vielen weniger „esoterisch“ als Atembeobachtung.

Eine Gruppenübung ersetzt kein Training. Strukturierte Programme wie MBSR laufen meist über acht Wochen mit wöchentlichen Terminen und täglichen Übungen. Wenn deine Gruppe mehr will, ist ein qualifizierter Kurs der bessere nächste Schritt.

Varianten für Familie und gemischte Runden

In einer Familienrunde gelten dieselben Grundregeln, nur kürzer. Fünf Minuten am Tisch genügen. Besonders gut passen die Übungen 1, 3, 5 und 12, weil sie ohne Vorwissen funktionieren und nichts „leisten“ müssen. Statt langer Anleitung reichen oft zwei Sätze, die du selbst mitmachst.

Bei gemischtem Alter ist ein gemeinsames Ritual am einfachsten: eine Tasse Tee oder Saft, ein gemeinsamer Atemzug, ein Wort zum Abschluss. Es darf albern werden. Wenn die Stimmung trägt, kannst du daraus ein wiederkehrendes Tee-Ritual machen, das zu eurem Alltag passt.

Austausch nach der Übung: kurze Fragen, die tragen

Ein kurzer Austausch kann eine Übung vertiefen, muss es aber nicht. Frag offen und ohne Wertung, und lass Schweigen zu. Gut funktionieren diese Fragen:

  • Was ist dir aufgefallen?
  • Wo ist deine Aufmerksamkeit hingewandert?
  • Was war leicht, was schwer?

Vermeide Fragen wie „Hat es dir geholfen?“ oder „Wie ruhig bist du jetzt?“. Sie erzeugen Druck, ein Ergebnis zu liefern, das es gar nicht geben muss.

Dein nächster kleiner Schritt

Wähle für die nächste Runde eine einzige Übung aus, am besten Übung 3 oder 5, und probiere sie erst allein aus. Wenn sie dir selbst gut tut, fällt es leichter, sie anderen anzuleiten.

Häufige Fragen

Welche Achtsamkeitsübungen eignen sich für Gruppen?

Gut geeignet sind einfache Sinnes- und Atemübungen wie Geräusche hören, Gegenstand in der Hand oder achtsames Gehen. Sie sind kurz, brauchen kaum Material und lassen sich mit offenen Augen machen.

Wie lange sollte eine Achtsamkeitsübung in der Gruppe dauern?

Für den Einstieg 2 bis 5 Minuten, später bis zu 10 Minuten. Längere Stille wird in einer Gruppe schneller anstrengend als allein. Die Zeiten sind Richtwerte.

Was ist bei der Anleitung von Achtsamkeitsübungen wichtig?

Formuliere einladend, biete Augen offen als Option an und erlaube jederzeit das Aussteigen. Niemand muss etwas erzählen. Bei belasteten Gruppen sind Body Scans und längere Stille eher ungeeignet.

Kann ich Achtsamkeitsübungen mit Tee in der Gruppe machen?

Ja, eine Tee-Übung funktioniert gut in Gruppen. Schenke vorher ein, nimm einen koffeinfreien Tee und frag nach Allergien. Eine ausführliche Anleitung findest du in der Tee-Meditation.

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